Zehn Jahre nachdem Bryan Bertino („The Monster“) mit dem minimalistischen ...
... Home-Invasion-Thriller „The Strangers“ einen Überraschungserfolg landen konnte, findet eine Fortsetzung den Weg ins Kino. Inszeniert wurde das Sequel von Johannes Roberts („47 Meters Down“) nach einem Drehbuch, das Bertino und Ben Ketai („The Forest“) zu Papier brachten.
Killer auf der Jagd
Dass im amerikanischen Hinterland nicht selten das Grauen auf ahnungslose Reisende lauert, wissen Horrorfreunde spätestens seit Tobe Hoopers genreprägendem Backwoods-Schocker „The Texas Chainsaw Massacre“ von 1974. Auch in „The Strangers: Opfernacht“ erweist sich ein Ausflug zu einem wie ausgestorben wirkenden Trailer-Park als fatale Entscheidung. Bevor sie ihre rebellische Tochter Kinsey (Bailee Madison) in ein Internat verfrachten, quartieren sich Cindy (Christina Hendricks) und Mike (Martin Henderson) mit der widerspenstigen Teenagerin und ihrem Bruder Luke (Lewis Pullman) in einer von Verwandten betriebenen Wohnwagenanlage ein. Dummerweise haben es sich die maskierten Killer aus Teil eins schon vor der Ankunft der Familie auf dem Areal gemütlich gemacht und entfesseln schon bald ein grausames Katz-und-Maus-Spiel.
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Wer Bertinos sicher nicht komplexen, dafür aber hochintensiven Terrorstreifen noch bestens vor Augen hat, dürfte vor allem in der ersten Hälfte viele vertraute Elemente finden. Ähnlich wie im Vorgänger, wo ein missglückter Heiratsantrag das Verhältnis der beiden Protagonisten belastete, liegt auch im Sequel vom Start weg Anspannung in der Luft. Kinsey fühlt sich abgeschoben und trägt den Ärger über die Entscheidung ihrer Eltern demonstrativ zur Schau. Abermals lässt sich der Film Zeit, bis die Hölle losbricht. Und erneut kündigt ein wiederholtes Klopfen an der Tür, gepaart mit der Frage nach einer gewissen Tamara, die Menschenjagd an. Vergleicht man „The Strangers“ und die Fortsetzung, sticht ebenfalls ins Auge, dass Bertinos Reißer mit seiner starken räumlichen Begrenzung ein Stück weit klaustrophobischer wirkte. Im Sequel erhalten die Figuren etwas mehr Aktionsfläche und stolpern des Öfteren durch den gespenstisch leeren Wohnwagenpark.
Packende Passagen, aber schwaches Ende
Auch wenn „The Strangers: Opfernacht“ den Familienmitgliedern nur das Nötigste an Eigenschaften mitgibt und ihr Verhalten in manchen Momente fragwürdig bis unsinnig ausfällt, ist einem ihr Schicksal nicht egal. Dank solider Schauspielleistungen – keine Selbstverständlichkeit im Genre! – und einer effektiven, den Puls nach oben treibenden Inszenierung fiebert man bereitwillig mit und lässt sich zuweilen ordentlich erschrecken.
Gelegentlich setzt Roberts einen markanten Schockakzent und schafft es die meiste Zeit, eine unheimliche Bedrohungsatmosphäre zu kreieren. Gelungen ist nicht zuletzt das Spiel mit der Unschärfe des Bildes, aus der sich immer mal wieder einer der vermummten Angreifer herausschält. Einen besonders prägenden Eindruck hinterlässt der Kampf in einem Swimmingpool, der vor dem Hintergrund einer bizarren Lichtershow und zu den Klängen von Bonnie Tylers Schmachtfetzen „Total Eclipse of the Heart“ über die Bühne geht. Nervenkitzel und ironische Brechung stehen hier nebeneinander und erzeugen ein merkwürdig unbehagliches Gefühl.
Lange Zeit kann „The Strangers: Opfernacht“ als kleiner, fieser, dem Slasher-Film der achtziger Jahre huldigender Terrorstreifen überzeugen. Im letzten Drittel scheinen die Macher dann jedoch von allen guten Geistern verlassen worden zu sein. Im Minutentakt klatscht das Drehbuch nun ein dummes Genreklischee ans nächste und unterläuft gleichzeitig die Glaubwürdigkeit des Gezeigten. Statt wie im Vorgänger halbwegs bodenständig zu erzählen, entbrennt – im wahrsten Sinne des Wortes – eine Konfrontation, die mit jeder neuen Wendung alberner wird und den Gesamteindruck ein Stück nach unten zieht.
Fazit
Wer „The Strangers“ mochte, wird auch Gefallen an der Fortsetzung finden, dürfte sich aber über das ausufernde, mitunter lächerliche Finale ärgern.
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