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Die fantastische Reise des Dr. Dolittle - Kinostart: 30.01.2020

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Was haben „Der Nussknacker und die vier Reiche“, „Solo – A Star Wars Story“ ...
 
... und die neue Verfilmung der Abenteuer des Arztes der mit Tieren sprechen kann gemeinsam?
 
Es ist in Ordnung Angst zu haben
 
Im viktorianischen England kann der Arzt Dr. Doolittle mit Tieren sprechen. Nur mit Menschen will er nichts mehr zu tun haben, seit seine geliebte Frau während eines Schiffbruchs verstorben ist. Doch da eine junge Hofdame bittet um Hilfe. Die Königin liegt im Sterben. Das einzige Gegenmittel wächst auf einer Insel, die nirgendwo kartographiert ist. Auf seiner Reise helfen dem Doktor nicht nur die unterschiedlichsten Tiere, sondern auch der junge Tommy Stubbins.
 
„Der Nussknacker und die vier Reiche“, „Solo – A Star Wars Story“ und nun „Die fantastische Reise des Dr. Doolittle“ sind drei Filme, für die jeweils in sehr späten Produktionsphasen oder sogar bereits nach Abschluss der ursprünglich geplanten Dreharbeiten mit viel Aufwand neues Material gedreht wurde. Und diese drei Filme haben noch etwas gemeinsam: sie sind alle nicht besonders gut.
 
„Doolittle“ sollte tatsächlich bereits im Mai 2019 in die Kinos kommen. Nach negativen Testvorführungen wurden 21 (in Worten: einundzwanzig) weitere Drehtage angesetzt. Und warum? Weil die frühere Version einigen Amerikanern, die tagsüber nichts zu tun hatten, nicht auf Anhieb gefallen hatte. Liebe Studiobosse: wenn uns die Präsidentschaftswahl 2016 (und demnächst der Ausgang des Amtsenthebungsverfahrens) eines gelehrt haben sollte, dann doch wohl, dass man größeren Gruppen von US-Bürgern keine wichtigen Entscheidungen überlassen darf.
 
Ein Film sollte immer ein ganzheitliches Werk sein. Künstler haben Ideen, diese werden zu Konzepten und diese Konzepte werden dann umgesetzt. Diesem Prozess muss Zeit und Raum gegeben werden. Das ist auch bei einem reinen Kommerzfilm unbedingt erforderlich. Ein Regisseur muss kreativ arbeiten können, damit so ein Werk entstehen kann. Niemand würde bei einem Maler ein Stillleben in Auftrag geben um dann kurz bevor die Farbe getrocknet ist zu sagen: „Akte verkaufen sich besser. Machen sie aus den Birnen doch bitte Brüste.“. Niemand lässt einen Komponisten eine Arie komponieren, um dann bei der öffentlichen Generalprobe zu entscheiden, der Tenor sollte mittendrin jodeln.
 
Die großen Studios müssen endlich lernen, die Kreativen arbeiten zu lassen. Nachdem ich „Der Nussknacker und die vier Reiche“, „Solo – A Star Wars Story“ und nun „Dr. Doolittle“ gesehen habe, kann ich einfach nicht glauben, dass die ursprüngliche Versionen dieser Filme noch schlechter waren. Vielleicht wäre die ursprüngliche Version von „Dr. Doolittle“ kein guter Film geworden. Aber Regisseur Stephen Gaghan („Syriana“) hätte wohl wenigstens einen ganzen Film abgeliefert. Stattdessen haben wir nun statt eines Films eine wilde Mischung aus guten Elementen, passablen Elementen und wirklich schlechten Elementen, die 101 Minute lang nie ein einheitliches Ganzes ergeben.
 
Laut ausgesprochen klingt es lächerlich
 
Der Film erzählt die traurige Vorgeschichte von Doolittles Frau in einem Zeichentrickprolog, der aussieht als wäre er für einen Werbefilm gedacht. Später sehen wir die verstorbene Frau aber in Realfilm-Rückblenden. Was war zuerst da? Die mittelmäßige Animationssequenz oder die Rückblenden mit den echten Schauspielern? Wir werden es nie erfahren. Wir wissen bloß, beides passt nicht zusammen.
 
Einzelne Szenen sind wirklich amüsant ausgefallen, etwa wenn ein ängstlicher Gorilla eine Tür öffnet oder wenn sich ein Strauß und ein Eisbär über Vogelsachen und Bärensachen unterhalten. Aber wenn ein Eichhörnchen auf Rache sinnt, ist das nur halbwitzig und dieser Running-Gag wird auch nicht konsequent genug umgesetzt. Ein Kampf mit einem Tiger, der sich wie ein Kätzchen ablenken lässt, ist zu unentschlossen gestaltet um witzig oder spannend zu sein. Die Verkleidungen der Helden und praktisch alles andere auf einer von Antonio Banderas regierten Insel reizen nicht einmal zum Schmunzeln.
 
 
Der ganze Film ist übel zerschnitten. Zu Beginn des Filmes sehen wir zwei Personen gemeinsam das Haus des Doktors betreten, nur damit in der nächsten Szene die eine mit dem Doktor spricht, während die andere verloren durchs Haus irrt. Wo und warum sie sich getrennt haben bekommen wir nie zu sehen. In Actionszenen befinden sich Protagonisten von Einstellung zu Einstellung urplötzlich in anderen Positionen an anderen Stellen der Szenerie. Gegen Ende fängt Doolittle ein kleines Tier mit seinem Hut auf, ohne dass wir je gesehen hätten, woher das Tier angeschossen kam. Wir sehen digitale Tiere in Aktion die echter als echt aussehen. An anderen Stellen wirken die Tiere wie aus einem passablen Computerspiel entliehen. Und dann sehen wir ein Kriegsschiff vor einer Insel vor Anker liegen, das so schlecht generiert ist dass es in den Augen wehtut. Gut ein halbes Dutzend Firmen haben die visuellen Effekte für diesen Film geliefert. Und nicht alle haben ordentliche Qualität geliefert.
 
Robert Downey Jr. spielt wieder einmal einen genialen Exzentriker. Nachdem er ähnliche Rollen in den beiden Sherlock-Holmes-Filmen und etlichen Marvel-Abenteuern verkörpert hat, weckt das beim Publikum natürlich eine gewisse Erwartungshaltung. Aber diesmal wirkt dieser sonst so selbstsichere, charismatische Darsteller seltsam verloren und langweilig wenn er immer nur einzelne Szenen spielt, aber es nie schafft, den Charakter oder die Entwicklung seiner Figur zu vermitteln.
 
Michael Sheen ist ein großartiger Charakterdarsteller. Das hat er bereits in Filmen wie „Frost/Nixon“ oder „Die Queen“ bewiesen. Seine Leistung als Schurke in diesem Film erinnert aber mehr an seine Darstellung eines hysterischen Vampirs in „Breaking Dawn – Bis(s) einer weint“.
 
Die Rollen der jungen Lady Rose und des Tommy Stubbins mögen in der früheren Fassung des Films Sinn ergeben haben. In der vorliegenden Version erfahren wir nie, warum Queen Victoria eine zwölfjährige Hofdame schickt oder warum Tommy bei seinem Onkel lebt oder warum er einfach ohne Abschied auf große Reise geht. Damit haben die jungen Darsteller Carmel Laniado und Harry Collett („Dunkirk“) nichts, womit sie ihre Rollen gestalten könnten. Wenn beide trotzdem sympathisch wirken spricht das für diese beiden jungen Talente.
 
 
Fazit
 
Irgendwie hat man hier Filmmaterial im Wert von knapp 200 Millionen Dollar zusammengestückelt. Einzelne Teile sind witzig, einzelne Teile sind nett anzusehen, andere Teile funktionieren nicht. Und diese Einzelteile summieren sich nicht zu einem guten Film. Sie summieren sich tatsächlich gar nicht und bleiben nur Einzelteile.
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: Stephen Gaghan
  • Drehbuch: Stephen Gaghan
  • Besetzung: Robert Downey jr., Antonio Banderas
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