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Der wunderbare Mr. Rogers - Heimkino-Start: 19.11.2020

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Fred Rogers war einer der interessantesten Menschen in der Geschichte ...
 
... des Fernsehens. Das interessanteste an ihm war, dass er andere Menschen immer viel interessanter fand als sich selbst. Auch wegen ihrer Schwächen …
 
It‘s a beautiful day in this neighborhood, …
 
1998 ist Lloyd Vogel ein erfolgreicher Reporter für das Esquire-Magazin. Da bekommt er einen ungewöhnlichen Auftrag. Der investigative Journalist soll ein Interview mit dem Moderator der seit Jahrzehnten laufenden Kindersendung „Mr. Rogers‘ Neighborhood“ führen. Aber der freundliche, gütige Fred Rogers ist während der Gespräche vor allem an Lloyd und seiner Geschichte interessiert. Leider will der Reporter nicht über seine Kindheit und über seine Probleme mit seinem Vater sprechen. Nicht mit Mr. Rogers, nicht mit seiner Frau, mit niemanden …
 
Fred Rogers Kindersendung lief von 1968 bis 2001 im amerikanischen Fernsehen. In Deutschland wurde sie nie gezeigt, weshalb Fred Rogers bei uns weitgehend unbekannt ist. Daher möchte ich ein paar Erläuterungen zu diesem Mann und seiner Sendung liefern.
 
Die Sendung wurde mit einigen wenigen Darstellern und Handpuppen produziert. Im Laufe der Serie erklärte man Kindern Alltägliches, wie die Produktion von Wachsmalstiften oder wie Musikinstrumente funktionieren. Fred Rogers sprach mit seinen jungen Zusehern aber auch über schwierige Themen wie Krankheit und Tod. In einer Sendung, die wenige Tage nach der der Ermordung von Senator Robert F. Kennedy aufgenommen wurde, spielt die kleine Puppe Daniel Tiger zusammen mit einer der Darstellerinnen mit einem Luftballon und fragt plötzlich, was „Attentat“ bedeutet. Die sensible und doch aufrichtige Art, mit der dieses Thema anschließend kindgerecht besprochen wird, kann auch mehr als 50 Jahre später noch Erwachsenen auf der ganzen Welt als Beispiel dienen.
 
Die Drehbuchautoren Micah Fitzerman-Blue und Noah Harpster haben bisher zusammen die Drehbücher für einige Fernsehserien und „Maleficient: Mächte der Finsternis“ verfasst. Regisseurin Marielle Hellers letzter Film „Can you ever forgive me“ lief bei uns leider nie im Kino. Warum, so habe ich mich nach diesem Film gefragt, warum nahmen sie sich dieses faszinierenden Mannes an und machten ihn dann zur Nebenfigur in einem banalen, vorhersehbaren Drama? Wenn interessiert denn die schablonenhafte Figur des Reporters? Seiner Geschichte fehlt der Konflikt, um als Drama zu funktionieren. Und die lächerliche Traumsequenz im zweiten Akt macht einen richtig wütend.
 
 
I’ve always wanted a neighbor just like you
 
Aber dann erinnerte ich mich an etwas, das Fred Rogers mal gesagt hat. Er meinte sinngemäß, „Es braucht Kraft um unsere Wut einzugestehen. Und manchmal noch mehr Kraft die Aggression, die diese Wut mit sich bringt, auf friedliche Weise herauszulassen“. Also versuche ich diesmal etwas anderes. Ich will nicht darüber sprechen, wie Hanks den echten Fred Rogers nur unzureichend wiedergibt (er spricht unter anderem immer noch viel zu schnell) oder wie viele Anachronismen oder künstlerische Freiheiten der Film enthält. Ich will mich am Beispiel von Fred Rogers orientieren.
 
Fred Rogers galt sein Leben lang als schwieriger Interviewpartner, weil er immer viel zu viel Interesse an seinen Gesprächspartnern zeigte. Wenn Hanks als Fred Rogers gleich zu Beginn des ersten Gesprächs viel interessierter an dem Reporter ist als dieser an ihm, dann berührt uns das. Fred Rogers bedankte sich bei Gesprächspartnern immer auch für schwierige Fragen. Wenn Lloyd im Film längst genervt ist und Mr. Rogers mit Fragen nach seinen Söhnen provoziert und dieser sich für die neue Sicht auf dieses Thema bedankt, gelingt es Hanks doch noch etwas von Fred Rogers ungewöhnlichem Charakter zu vermitteln. Dafür bin ich Tom Hanks und den Machern dieses Films dankbar.
 
Wenn es Lloyd im Film gelingt, sich langsam zu öffnen, meint er, Mr. Rogers würde gebrochene Menschen lieben. Ich bin dankbar für die Antwort die im Film zu hören ist, weil sie das Publikum daran erinnert, was jeden einzelnen Menschen zu einem Individuum und damit besonders und wertvoll macht. Ich bin den Filmemachern zutiefst dankbar, für diesen Film der an einen ganz besonderen Menschen erinnert. Und wenn der eine oder andere unserer Leser sich anschließend im Netz einige clips mit Mr. Rogers oder vielleicht sogar die großartige Dokumentation „Won’t You Be My Neighbor?“ von 2018 ansieht, bin ich dafür ganz besonders dankbar.
 
So let’s make the most of this beautiful day
 
Für eine Idee möchte ich den Machern des Films noch besonders danken. Wie in Mr. Rogers Fernsehsendung werden auch im Film Ortswechsel immer durch Miniaturansichten der jeweiligen Städte vermittelt. Weil der Film 1998 und teilweise in New York City spielt, sind im Modell der Stadt immer auch die Türme des World Trade Center zu sehen. Die letzte Ausgabe von „Mr. Rogers‘ Neighborhood“ wurde im August 2001 ausgestrahlt. Fred Rogers litt zu dem Zeitpunkt bereits an Krebs, an dem er einige Zeit später sterben sollte. Vielleicht hätte Mr. Rogers den Amerikanern erklären können, wie man mit furchtbaren, schmerzhaften Erlebnissen umgeht. Immerhin wusste er: „Kein normales Leben ist frei von Schmerz. Der Kampf mit unseren Problemen kann den Anstoß für unser persönliches Wachstum bilden.“
 
Vermutlich werde ich nächste Woche hier nicht mehr so sanft und nachsichtig sein. Sicher werde ich wieder ganz detailliert aufzeigen, welche Teile eines Films gelungen und welche weniger gelungen sind. Das mache ich deshalb, weil mir unsere Leser wichtig sind. Sie sollen ihr schwerverdientes Geld nicht für schlechtgemachte Filme ausgeben. Mr. Rogers waren seine Zuseher immer wichtig. Das hat er ihnen am Ende der Sendung immer mit seinem Abschiedslied vermittelt: “ I'll be back / When the week is new / And I'll have more ideas for you / And you'll have things you'll want to talk about / I will too / I'll think of you when I'm not here / Cause thinking of people makes them seem near / The friends who know you love you cheerfully / I do too.“
 
 
Fazit
 
Dieser Film über einen ganz besonders interessanten Menschen hat viele Schwächen. Aber für Fred Rogers waren die Menschen immer auch wegen ihrer Schwächen interessant. Und wenn Fred Rogers wegen dieses schwachen Films bei uns ein bisschen bekannter werden sollte, muss man dem Film dankbar sein.
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: Marielle Heller
  • Drehbuch: Noah Harpster
  • Besetzung: Tom Hanks, Susan Kelechi Watson
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