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Berlin Alexanderplatz - Kinostart: 16.07.2020

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Burhan Qurbanis Film ist eine Adaption von Alfred Döblins Jahrhundertroman, ...
 
... der im Jahr 1929 erstmals erschienen ist und seiner literarischen Kniffe, aber auch der zur Interpretation einladenden Geschichte und Figuren zu den ganz großen Klassikern der deutschen Literatur gehört. Der Film BERLIN ALEXANDERPLATZ transportiert die Geschichte ins Hier und Jetzt. Aus der Hauptfigur Franz Biberkopf wurde nun jedoch der Flüchtling Francis. Und der Film verdichtet die neun Teile des Buchs auf fünf Kapitel. Die Lauflänge ist mit 183 Minuten dennoch episch.
 
Eine Geschichte in fünf Teilen
 
Francis (Welket Bungué) kommt als Flüchtling nach Berlin. Pass hat er keinen, Schwarzarbeit findet er aber schon. Der aus Bissau stammende Afrikaner hat sich geschworen, ein anständiger Mensch zu werden, nachdem seine Freundin bei der gemeinsamen Flucht ertrunken ist, er aber überlebt hat. Doch diesem Schwur gerecht zu werden, ist schwerer als gedacht. Denn Francis möchte mehr vom Leben und lässt sich von Reinhold (Albrecht Schuch) verführen. Der leitet einen Drogendealerring, Francis will mit dem Dealen aber nichts am Hut haben. Stattdessen ist er für Reinhold so etwas wie ein Freund, bis dieser ihn gegen seinen Willen in einen Raub involviert und das Schicksal auf dramatische Art und Weise zuschlägt.
 
Das ist das zweite Mal, dass Francis strauchelt. Ein weiteres Mal soll noch folgen, bevor Berlin ihn endgültig bricht. Oder doch nicht?
 
Eine griechische Tragödie
 
Die Übertragung von einem Medium ins andere ist mit BERLIN ALEXANDERPLATZ sehr gut gelungen. Der Film bietet eine dicht erzählte Geschichte mit fünf Kapiteln und einem Epilog. Drei Stunden Laufzeit mögen lang erscheinen, keine Minute ist hier aber überflüssig, und langweilig wird das Werk auch in keinem Moment. Stattdessen ist man beeindruckt von Burhan Qurbanis Bildsprache, aber auch von der Komposition dieses Meisterwerks.
 
Die Bilder ziehen in den Bann, die Musik ist mal laut, mal leise, aber immer auf den Punkt, und die Darsteller spielen ihre Rollen nicht nur – sie leben sie. Darüber hinaus überträgt der Film das, was auch Alfred Döblins Roman auszeichnete, da er über weite Strecken poetisch ist. Das gilt längst nicht nur für die von Jella Haase gesprochenen Monologe aus dem Off, diese Qualität ist dem Film generell inne.
 
Man weiß von Anfang an, dass dies kein gutes Ende nehmen wird. Das spürt man, der Film ist aber auch so selbstbewusst, das die Off-Erzählerin erklären zu lassen. Es ist die Geschichte von Francis‘ Aufstieg und Fall, von den drei Momenten, in denen er auf dem Weg, ein anständiger Mensch zu sein, strauchelt, und von dem Ereignis, das ihn endgültig zerbricht. Man spürt, dass dies eine tragische Geschichte ist und ist fasziniert davon, zuzusehen, wie sie sich entwickelt.
 
 
Änderungen
 
Der Film ist anders als der Roman, in gewisser Weise vielleicht sogar besser. Weil er moderner anmutet, weil er etwas über die Gesellschaft, in der wir leben, zu sagen hat, aber auch, weil er verdichtet und auf den Punkt kommt. Großartig sind die Schauspieler, allen voran der hierzulande unbekannte Welket Bungué, der für die Rolle auch Deutsch lernte. Das wirkt umso authentischer, zumal der Mix aus Deutsch und Englisch, in dem die Figuren sich häufig unterhalten, etwas sehr Faszinierendes an sich hat. Nicht weniger großartig ist Albrecht Schuch in der Rolle des Psychopathen Reinhold, der auf Francis erst sehr gebrechlich erscheint, dann aber doch stärker ist, als es den Anschein hat.
 
Reinhold ist wie alle Figuren dieser Geschichte gebrochen. Er sucht Liebe und findet sie in einer obsessiven Freundschaft zu Francis, doch als dieser ihn seiner Wahrnehmung nach verrät, kommt die Bestie in ihm zum Vorschein. Das ist eine extrem vielschichtige, in den besten Momenten auf subtile Art und Weise bedrohliche Figur.
 
Die Dritte im Bunde ist die von Jella Haase gespielte Prostituierte Mieze, in die sich Francis verliebt, die aber an seinem Unvermögen, ein besserer Mensch zu werden, zerbricht.
 
 
Fazit
 
Man kann BERLIN ALEXANDERPLATZ mit Fug und Recht als Meisterwerk bezeichnen. Ein dreistündiges Drama, das keine Minute zu lang ist, sondern die epische Laufzeit nutzt, um den Zuschauer tiefer in die Geschichte zu ziehen. Dieser Film ist wuchtig, mitreißend, beeindruckend. Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn das nicht der deutsche Kandidat für den Auslands-Oscar im nächsten Jahr werden würde.
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor/in: Peter Osteried
  • Regisseur: Burhan Qurbani
  • Drehbuch: Martin Behnke
  • Besetzung: Welket Bungué, Jella Haase
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