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Hocus Pocus 2 - Disney +-Start: 30.09.2022

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Rechtzeitig zum Herbst kommt die Fortsetzung von „Hocus Pocus“ ...
 
... naja, nicht in die Kinos. So arbeitet Disney heutzutage ja kaum noch. Aber der neue Film kommt auf Disney+. Sollten sich Leser*innen ohne Abo nun dringend eines besorgen?
 
The Witches Are Back
 
29 Jahre nachdem die drei Hexenschwestern schon einmal für eine Halloween-Nacht wieder lebendig wurden, zündet wieder eine Jungfrau die magische Kerze an. Wieder tauchen die drei Damen auf einer Halloween-Party auf. Wieder versuchen die Schwestern einen Zauber, der sie unsterblich machen soll. Wieder suchen die Hexen ihr magisches Buch. Und wieder müssen Halbwüchsige sich den drei magischen Schwestern entgegenstellen ...
 
Der erste Teil lief in den USA 1993 mit passablem und bei uns mit mäßigem Erfolg im Kino. Das war kein Wunder. Bette Middler war damals zwar durchaus bekannt, aber ihre Erfolge der Achtziger Jahre lagen bereits ein paar Jahre zurück. Kathy Najimy kannte man damals wie heute, wenn überhaupt, vor allem aus Nebenrollen in Filmen wie „Sister Act“. Und Sarah Jessica Parker war noch lange kein Star, weil „Sex and the City“ erst fünf Jahre später erstmals ausgestrahlt werden sollte. Die Handlung des ersten Films war ebenso vorhersehbar wie seine Gags.
 
Der Film läuft seither alle Jahre wieder Ende Oktober/Anfang November auf irgendwelchen Kabelsendern, weil er einer der wenigen Filme ist, die zu Halloween spielen und tagsüber ungeschnitten gezeigt werden können. In den USA, wo solche Nicht-Feiertage längere Tradition haben, wurde er dadurch nach und nach immer bekannter. Und weil Disney mittlerweile sowieso aus praktisch allem, was nur halbwegs seine Kosten eingespielt hat, ein Franchise macht, bekommen wir jetzt eine Fortsetzung serviert. (Wer mag, darf unten in den Kommentaren gerne seine Schätzung abgegeben, wie lange es dauern wird, bis auf Disney+ „Hocus Pocus – Die Serie“ zu sehen sein wird)
 
In der Presse - Einladung von Disney, in der man über organisatorische Einzelheiten informiert wird, bittet man sich u.a. aus, „... von Spoilern und detaillierten Angaben zur Handlung abzusehen“ und zwar „um den Zuschauer*innen die Möglichkeit zu geben, den Film in vollen Zügen zu genießen und alle Überraschungen und Wendungen der Handlung zu entdecken“. In dieser Mail lässt Disney mehr Sinn für Humor erkennen, als in den gesamten 108 Minuten von „Hocus Pocus 2“. Die Story dieses Films ist ungefähr so vorhersehbar wie ein Rezept für Tütensuppe. Sie ist komplett frei von Überraschungen.
 
Für das Drehbuch zeichnet Autorin Jen D’Angelo verantwortlich. Sie hat bisher vor allem Drehbücher für Fernsehserien geschrieben. Und es wirkt tatsächlich als hätte D’Angelo Mühe gehabt, die mehr als anderthalb Stunden Laufzeit mit Ideen zu füllen. Für 25 Minuten hätte es vielleicht gereicht. Die wenigen halblustigen Scherzchen liegen weit auseinander. Und die bereits erwähnte Handlung, könnte durchaus aus Entwürfen und Ideen zum ersten Film entstanden sein, so ähnlich und bekannt wirkt alles. An einer Stelle meint eine Figur zu einer anderen: „You knew that was gonna happen!“. Man möchte hinzufügen: „We all knew!“
 
Die Regie von Anne Fletcher („27 Dresses“, „Selbst ist die Braut“) wirkt kompetent, bietet aber auch keine Überraschungen. Die im 17. Jahrhundert spielenden Szenen sehen aus wie in einem Museumsdorf gedreht. Danach wirkt im „Present Day“ alles leider eher spießig und altmodisch. Die wenigen Hinweise auf das 21. Jahrhundert wie zwei Saugroboter, Drag-Queens und ein „Flashmob“ wirken recht bemüht.
 
One Way Or Another
 
Zur Arbeit mit den Schauspieler*innen scheint Fletcher nicht viel eingefallen zu sein. Drei noch unbekannte junge Damen namens Whitney Peak, Belissa Escobedo und Lilia Buckingham stellen drei befreundete Schülerinnen dar. Sie wirken als Schülerinnen nicht besonders glaubhaft und als Freundinnen noch weniger.
 
Sam Richardson („Detroiters“), Tony Hale („American Ultra“) und ein junger Mann namens Froy Guitierrez sind in Chargenrollen zu sehen. Vor allem von den beiden erfahrenen Profis Richardson und Guitierrez hätte man mehr erwartet.
 
Hannah Waddingham ist eine bekannte britische Musicaldarstellerin und –sängerin. Weil sie in Serien wie „Game of Thrones“ und „Ted Lasso“ zu sehen war, ist sie nun wohl auch in den USA bekannt. Das hat wohl zu ihrem Auftritt in „Hocus Pocus 2“ geführt, der wirkt als hätte man ihn aus einem sehr viel besseren Film hineingeschnitten. Waddingham keine zweite Szene zu gönnen und sie vor allem nicht singen zu lassen, ist pure Verschwendung. Vielleicht wollte jemand anderes als einzige singen?
 
Die Stars des Films sind natürlich wieder Kathy Najimy, Sarah Jessica Parker und Bette Midler. Und Fletcher inszeniert sie auch wie Stars. So sind die drei Damen im Film erst nach 28 Minuten Laufzeit zum ersten Mal zu sehen. Und auch danach vergehen zwischen ihren Auftritten immer wieder mehrere Minuten. Wenn man dann noch bemerkt, dass die Szenen der drei Stars alle im Studio gedreht wurden, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, hier wurde um den Terminkalender der drei teuersten Mitwirkenden herumgedreht.
 
Und man muss sich schon fragen, ob das alles den Aufwand (und die Gagen) wert war. Bette Midler macht, was sie seit Jahrzehnten macht. Sie ist laut, spielt kein bisschen subtil sondern eher etwas plump und dominiert so jede Szene. Weil sie vor langer Zeit zunächst als Sängerin bekannt war und auch bereits in Teil eins gesungen hatte, singt sie auch hier wieder. Das macht sie nicht schlecht. Aber ob Zehnjährige, für die dieser Film ja gemacht wurde, damit viel anfangen können, ist fraglich.
 
Kathy Najimy kann im richtigen Film unter der richtigen Regie unheimlich witzig sein. Das konnte man bereits in einem ihrer ersten kurzen Auftritte in einem Film, in „König der Fischer“ erkennen. Aber bereits 1993, in „Hocus Pocus“, war Najimy nicht besonders witzig. Damals war ihr einziger Einfall zur Rolle, ständig einen Mundwinkel nach unten zu ziehen. 29 Jahre später ist Najimy deutlich über sechzig und der hängende Mundwinkel lässt sie wie ein Schlaganfallopfer wirken.
 
Sarah Jessica Parker war in Teil Eins in ihren Zwanzigern und durfte damals die Verführerin spielen. In Teil Zwei entfaltet Parker immer noch Wirkung. Tatsächlich wirkt sie als über dreihundertjährige Hexe frischer als in der Fortsetzung von „Sex and the City“. Allerdings geben ihr weder das Drehbuch noch die Regie besonders viel zu tun. Vielleicht war Frau Parkers Terminkalender zu voll.
 
 
Fazit
 
Eine uninspirierte Fortsetzung eines mittelmäßigen Films, die dem ersten Teil nichts hinzufügen hat. Sicher kein Grund ein Abo abzuschließen.
 
 
Link zum Film >> dplus b
 
 

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Weitere Informationen

  • Autor:in: Walter Hummer
  • Regie: Anne Fletcher
  • Drehbuch: Jen D’Angelo
  • Besetzung: Bette Midler, Sarah Jessica Parker