Free Guy - Kinostart: 12.08.2021

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Vor fünf Jahren hat Ryan Reynolds in „Deadpool“ die Rolle seines Lebens gespielt.
 
Der Film hätte ohne ihn in der Hauptrolle niemals funktionieren können. Nun kommt „Free Guy“ in die Kinos …
 
Sweet, sweet fantasy baby …
 
Guy hat kein gutes Leben, er hat ein großartiges Leben in „Free City“. Jeden Tag steht er fröhlich auf, wünscht seinem Goldfisch einen guten Morgen, zieht sich die gleichen Klamotten an, kauft sich auf dem Weg zur Arbeit einen Kaffee, wird Zeuge mehrerer Schießereien und Verfolgungsjagden, bevor die Bank in der er arbeitet dann überfallen wird. Dieser Ablauf ist jeden Tag gleich. Und das macht Guy glücklich. Doch irgendwann trifft er eine geheimnisvolle Fremde. Und er beginnt sich Fragen zu stellen. Was Guy nicht weiß, er ist bloß eine Nebenfigur in einem Computerspiel …
 
Kann sich noch jemand an „Ready Player One“ erinnern? Kam vor drei Jahren raus. Der größte Teil des Films spielte in der Welt eines gigantischen Computerspiels. Diese Szenen waren gespickt mit populärkulturellen Referenzen und Zitaten. Regie führte Steven Spielberg. Deshalb bekam der Film auch fast durchweg gute Kritiken. Keine Erinnerung? Macht nichts. Ich habe den Film damals für CinePreview.DE besprochen und konnte mich auch nur noch dunkel daran erinnern. Zum Glück kann man meine Kritik hier nachlesen.
 
„Ready Player One“ hat damals 200 Millionen Dollar gekostet und ist drei Jahre später weitgehend vergessen. Warum sollten wir uns heute also einen halb so teuren Film mit einer ähnlichen Prämisse ansehen? Weil „Ready Player One“ mit all seinen CGI und all seinen Zitaten anderer Filme einfach ein altmodischer von alten Männern gemachter Film war. „Free Guy“ ist jung, frisch, hat Tempo. „Free Guy“ ist unheimlich witzig. In „Free Guy“ spielt Ryan Reynolds die zweite Rolle seines Lebens. Und „Free Guy“ zeigt uns, dass es auch Vorteile haben kann, wenn Disney immer weitere Filmstudios kauft.
 
Ich verspreche, ich höre gleich wieder auf, auf „Ready Player One“ herumzuhacken. Aber der Film dauerte damals 140 Minuten und ich weiß noch, wie ich – wie so oft in den letzten Jahren – dachte, wie gut es dem Film getan hätte, wenn er eine halbe Stunde kürzer gewesen wäre. „Free Guy“ dauert 115 Minuten und keine einzige dieser 115 Minuten ist langweilig. Natürlich bekommen wir erst mal 15 Minuten Exposition. Aber obwohl Co-Autor Zak Penn auch am Drehbuch „Ready Player One“ mitgeschrieben hat, haben ihn wohl der zweite Autor Matt Liebermann („Die Adams Family“) und Regisseur Shawn Levy („Nachts im Museum“, „Stranger Things“) daran erinnert, dass Exposition gar nicht langweilig sein muss.
 
Wenn wir Guy und seine Welt kennenlernen, ist das witzig und unterhaltsam. Wenn Ryan Reynolds mit einer herrlichen Begeisterung und Aufrichtigkeit banalste Gespräche führt, während hinter ihm Panzer über Autos fahren und Menschen erschossen werden, werden wir schnell mit der Welt von „Free City“ vertraut gemacht und gleichzeitig köstlich unterhalten. Unzählige Kleinigkeiten, von den Unterschieden zwischen Leuten die Sonnenbrillen tragen und denen ohne Sonnenbrillen bis zu einem Mülleimer voller Kaffeebecher, sind herrlich bizarr und zum Schreien komisch.
 
Die computergenerierten Effekte sind gut, wollen uns aber nicht beeindrucken. Und das ist gut so, denn dadurch wirkt die Action nahbarer. Wir haben das Gefühl, Teil der Szenerie zu sein, statt sie staunend von außen zu betrachten. Obwohl das Ganze in einem Computerspiel stattfindet, wirken viele der Actionszenen sehr viel realer als in manchen anderen Blockbustern der letzten Zeit.
 
Natürlich ist die Handlung lächerlich und voller Lücken. Aber das ist bei Popcorn-Kino fast immer so. Gutes Popcorn-Kino muss einfach flott und locker inszeniert werden, sodass dem Publikum die Handlung bald fast egal ist. Und Regisseur Levy hat hier hervorragendes Popcorn-Kino inszeniert. Irgendwie ist ein Video wichtig, dann braucht es eine Brücke, natürlich gibt es wieder eine Deadline… wen juckt’s? Der Film ist witzig, der Film ist cool und wir haben Spaß.
 
 
So deep in my daydreams …
 
Und diesen Spaß verdanken wir vor allem Ryan Reynolds. Ich weiß noch, dass mir Reynolds in den ersten Jahren seiner Karriere immer wieder aufgefallen ist und ich trotzdem oft nichts mit ihm anzufangen wusste. In „Blade: Trinity“ hat er einen ohnehin misslungenen Film komplett aus dem Gleichgewicht gebracht. In „X-Men Origins: Wolverine“ waren wir froh, als er endlich still sein musste. In „Adventureland“ hat er einfach nur gestört. Das alles war nicht Reynolds‘ Schuld. Dieser Schauspieler funktioniert einfach nicht in Nebenrollen.
 
Wie der junge Sylvester Stallone in Filmen wie „Capone“ oder dem Original von „Death Race 2000“ nie erkennen ließ, dass aus ihm mal einer der größten Stars Hollywoods werden sollte, so brauchte auch Ryan Reynolds seine ganz eigenen Filme mit seinen ganz eigenen Rollen, um zum Star zu werden. So wie Stallone eine ganz andere Art von Schauspieler war, als man sie in den Siebziger Jahren kannte und später zur Blaupause für eine ganze Generation von Stars wurde, so unterscheidet sich Reynolds grundlegend von anderen Hollywoodstars unserer Zeit.
 
Wo andere Darsteller sich anstrengen müssen, cool zu wirken, wirkt Reynolds als wäre er einfach er selbst. Und ist dabei so cool, dass er durchaus auch un-cool sein kann. Er kann doof sein, er kann ungeschickt sein, das macht ihn alles nur sympathischer, vermittelt uns das Gefühl, ihn noch besser zu kennen. Wo Gerard Butler als U-Bootkommandant eine coole Lederjacke über der Uniform tragen muss, kann Ryan Reynolds als Superheld crocs tragen und wir alle lieben ihn dafür.
 
In „Free Guy“ wird seine Figur vom spießigen Bankangestellten zum Helden, der seine Welt retten muss. Nur Reynolds kann diese lächerliche Figur und ihre noch lächerliche Entwicklung so natürlich und mühelos vermitteln, dass wir im Kinosessel sitzen und das Ganze nicht eine Sekunde infrage stellen. Wenn Reynolds einfach nur ein „good guy“ sein will, dann glauben wir das nicht bloß. Wir wissen, er ist tatsächlich ein „great guy“. Wie man sich außer Stallone keinen anderen Schauspieler als „Rocky“ oder „Rambo“ vorstellen könnte, so hätte niemand anderer als Ryan Reynolds „Deadpool“ oder jetzt „Guy“ spielen können.
 
Die britische Schauspielerin Jodie Comer“ („Killing Eve“) spielt die Heldin Milly und ihre Avatarin Molotov Girl ebenso kompetent wie sympathisch. Kompetent und sympathisch wirkt auch Joe Keery („Stranger Things“) in einer undankbaren Rolle.
 
Taika Waititi spielt wieder einen egomanischen Bösewicht. Bloß spielt er ihn leider nicht so witzig wie den egomanischen Bösewicht in seinem eigenen Film „JoJo Rabbit“.
 
Abgerundet wird das Ensemble durch einige witzige Gastauftritte. Der witzigste ist der von Channing Tatum. Der überraschendste Gastauftritt ist aber einer, der uns zeigt, welche Vorteile es hat, dass 20th Century Fox von Disney gekauft wurde. So kann „Guy“ im Kampf gegen den Endgegner nämlich auf Requisiten aus zwei der bekanntesten Filmserien aller Zeiten zugreifen. Und wer in diesen Momenten nicht genauso überrascht reagiert wie der Gaststar, der das Ganze auf seinem Handy verfolgt, kann kein Filmfan sein.
 
 
Fazit
 
„Free Guy“ ist Popcorn-Kino vom Feinsten. Und Ryan Reynolds spielt die zweite „Rolle seines Lebens“.
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor:in: Walter Hummer
  • Regie: Shawn Levy
  • Drehbuch: Zak Penn
  • Besetzung: Ryan Reynolds, Taika Waititi