Und wieder eine Comic-Verfilmung. Und wieder eine Origin-Story. Wie oft ...
... haben wir so etwas in den letzten Jahren zu sehen bekommen ...?
I see a red door and I want it painted black ...
Als bereits die ersten Szenen des Prologs von „Black Adam“ sowohl die eigenartige Sepia-Färbung als auch den off-Kommentar aus Zack Snyders „300“ geklaut hatten, beschlich mich ein mieses Gefühl. Als mich die Suche nach einem Artefakt und das Aufwecken eines lange Schlafenden in einer Höhle, unangenehm an die Neuverfilmung von „Die Mumie“ mit Tom Cruise erinnerten, wurde dieses Gefühl nicht besser. Als das Herumhuschen des Helden während der ersten richtigen Actionsequenz einen Anklang von „Morbius“ hatte, fing ich an, mir Sorgen um diesen Film zu machen.
Als der Held während eines Luftkampfes einen Kampfhubschrauber in einen anderen hineinschob und das ungefähr so langweilig aussah, wie es sich hier liest, hatte ich nur noch wenig Hoffnung für „Black Adam“. Als ich eine schlechte Kopie von Professor Xaviers „School For Gifted Youngsters“ inklusive unteririschem Hangar für den Jet zu sehen bekam, befiel mich eine genervte Müdigkeit. Und als die Protagonisten des Films irgendwie nicht aufhören wollten einander unentwegt die Handlung zu erklären, hatte ich irgendwann keine Lust mehr.
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https://www.cinepreview.de/index.php/item/805-black-adam-kinostart-20-10-2022#sigProId13dffe650d
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Adam Sztykiel hat die Drehbücher zu solchen Epen wie „Alvin und die Chipmunks: Road Chip“ und „Rampage“ verfasst. Rory Haines und Sohrab Noshirvani haben bisher Drehbücher für die eher unbekannte Netflix-Serie „Informer“ und den Film „Der Mauretanier“ geschrieben. Letzterer hat weltweit keine acht Millionen Dollar eingespielt. Zusammen haben diese drei erfahren Profis das Drehbuch zu „Black Adam“ geschrieben. Das Beste, das man über dieses Drehbuch sagen kann, ist noch, dass es problemlos auch als Hörspiel funktionieren würde. Und selbst für ein Hörspiel enthält dieses Drehbuch noch ein bisschen arg viel erklärenden Dialog. Wer sich eine Karte für „Black Adam“ kauft, kann zwei Stunden lang Schauspielern dabei zusehen und zuhören, wie sie einander alles erklären, was gerade auf der Leinwand zu sehen ist. Unterbrochen wird diese Tonspur für Sehbehinderte nur von einigen wenigen Actionszenen. Leider wurden diese von Jaume Collett-Serra inszeniert.
Jaume Collett-Serras erster Spielfilm als Regisseur war „House of Wax“. Wer den Film nicht gesehen hat: Paris Hilton spielt in diesem Film eine tragende Rolle. Und sie ist nicht das Schlimmste an dem Film. Danach inszenierte Collett-Serra den passablen Horrorfilm „Orphan“ und der Reihe nach „Unknown Identity“, „Non-Stop“ und „The Commuter“, drei von vielen mittelmäßigen Actionfilmen mit Liam Neeson. Und weil Dwayne Johnson letztes Jahr unter seiner Regie im mittelmäßigen „Jungle Cruise“ auch absolut mittelmäßig wirkte, darf Collett-Serra nun in „Black Adam“ das Talent von „The Rock“ verschwenden.
Collett-Serra hat die vielen, vielen Dialogszenen von „Black Adam“ langweilig und vorhersehbar inszeniert. Dummerweise hat er auch die wenigen Actionszenen ebenso langweilig und vorhersehbar inszeniert. Natürlich sehen wir jede Menge computergenerierte Bilder. Aber nichts davon wirkt irgendwie besonders. Vor allem wirkt nichts davon besonders hochwertig. Natürlich sind die Actionszenen wild und schnell geschnitten. Aber dadurch wirken sie weder spannend noch aufregend sondern vor allem unübersichtlich.
Auch an anderen typischen Bestandteilen einer Superheldengeschichte mangelt es nicht. Leider ist nichts davon spannend oder interessant. Es gibt einen Konflikt zwischen zwei Superhelden, aber der ist noch deutlich lächerlicher als der zwischen Iron Man und Captain America in „Captain America: Civil War“. Es gibt einen Helden, der sich opfert. Aber diese Figur war so uninteressant, dass auch ihr Opfer sie nicht interessanter macht. Es gibt sogar sowas wie eine Liebelei zwischen zwei Angehörigen der „Justice Society“. Aber da die beiden einzigen Figuren im gleichen Alter einander von der ersten Szene an verliebt angrinsen, kommt auch hier keine Spannung auf.
No colors anymore, I want them to turn black
Es gibt natürlich auch einen Bösewicht. Der Bösewicht gehört schließlich zu den wichtigsten Bestandteilen jeder Superheldengeschichte. Auch wegen „Red Skull“ und „Hela“ gehören „The First Avenger“ und „Thor: Ragnarok“ zu den besseren Superheldenfilmen. Und auch wegen des lächerlichen „Steppenwolf“ ist „Justice League“ so misslungen. Der Bösewicht in „Black Adam“ ist nicht einmal lächerlich. Er ist einfach uninteressant. Seine computergenerierte Form sieht aus wie ein Endgegner in einem passablen Computerspiel. Er hat eine kleine Armee von Wunderkerzenskeleten unter sich, die von einfachen Bürgern mit Stöcken überwältigt werden können. Ich habe mir während des Films nicht einmal den Namen des Bösewichts gemerkt.
Leider ist der Held der Geschichte nicht viel interessanter. Dwayne Johnson hat Ausstrahlung, Charme und Witz, die er in Filmen unterschiedlicher Qualität immer wieder gezeigt hat. In „Black Adam“ ist praktisch nichts davon zu sehen. Das lässt diesen Film sogar für Fans von „The Rock“ zur Enttäuschung geraten.
Sarah Shahi hat die TV-Serie „Life“ bereichert und war das Beste an „Shootout“ mit Sylvester Stallone. Ihr Talent und ihre Ausstrahlung werden hier ebenso verschwendet wie die von Dwayne Johnson.
Pierce Brosnan spielt eine Art „Dr. Strange“ für Arme. Die Figur heißt sogar Doctor Fate. Verschiedene andere Darsteller*innen spielen austauschbare Chargenrollen, die alle kein bisschen interessant sind. Und weil das Ganze ja im „DC Extended Universe“ spielt, sieht man auch Viola Davis ein paarmal im Bild. Ganz am Ende schaut dann noch ein weiterer Held aus dem DC Universum vorbei, es wird schamlos eine Fortsetzung in Aussicht gestellt und nach zwei Stunden haben wir den schwächsten Superheldenfilm seit langem hinter uns gebracht.
Fazit
Comic-Verfilmungen und Origin-Stories haben wir in den letzten Jahren nun wirklich oft genug zu sehen bekommen. Aber nur wenige waren so langweilig wie „Black Adam“. Einer der schwächsten Beiträge zum „DC Extended Universe“.
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