Black Panther: Wakanda Forever - Kinostart: 10.11.2022

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Gerade mal vier Monate nach dem letzten Film kommt der nächste ...
 
Marvel-Film in die Kinos, bevor dann in gerade mal etwas mehr als drei Monaten der nächste folgt. Marvels Gelddruckmaschine läuft also auf Hochtouren ...
 
Lift me up
 
Wakandas neue alte Königin regiert das Land würdig und weiß es gegen Angriffe einer feindlichen Nation zu verteidigen. Das waren diesmal aus irgendeinem Grund die Franzosen, aber das ist auch egal, weil im Verlauf des Films nie wieder darauf eingegangen wird. Wegen eines fehlenden Krauts gibt es noch keinen neuen Black Panther.
 
Aber da taucht mit Namor ein neuer Verbündeter oder Feind auf. Dieser ist nicht nur der einzige amphibische Vertreter seines unter Wasser lebenden Volkes. Er kann auch mittels kleiner, aus seinen Knöcheln ragenden Flügeln aufrecht stehend fliegen, was ungefähr so dämlich aussieht wie es sich hier liest. Wie immer geht es um Vibranium und wer es bekommen soll oder nicht und zweieinhalb Stunden später kommt auch schon eine vorhersehbare Mid-Credit-Scene ...
 
„Black Panther: Wakanda Forever“ ist der 30. (in Worten: dreißigste) Film des „Marvel Cinematic Universe“. Und da haben wir die vielen Serien über die Debitorenbuchhaltung von S.H.I.E.L.D., über die wirren Träume einer Nebenheldin, über Thors Adoptivbruder auf Zeitreisen oder über die angeheiratete Schwippschwägerin des Hulk noch gar nicht mitgezählt. Die Abstände, in denen die neuen Beiträge zu diesem Filmuniversum rauskommen, werden auch immer kürzer. Und schön langsam läuft Marvel Gefahr, uns mit neuen Filmen mehr zu langweilen als zu unterhalten.
 
Oder auch nicht. „Black Panther: Wakanda Forever“ wird im Internet bereits gefeiert. Und auch die meisten der anderen Kritiker*innen in der Pressevorführung waren begeistert. Man fragt sich bloß, wovon? Ich habe in zweieinhalb Stunden nichts Aufregendes, Neues, Faszinierendes oder sonstwie Besonderes gesehen. Müsste ich den Film in zwei Worten zusammenfassen, würde mein Urteil tatsächlich „Nix Besonderes“ lauten.
 
Und dabei hat uns Marvel so lange so viel Besonderes geboten. „Iron Man“ hat uns vor bald fünfzehn Jahren gezeigt, ein Superheld kann auch eine coole Sau sein. „Captain America: The First Avenger“ war gleichzeitig ein Heldenepos und ein richtig starker Action-Science-Fiction-Kriegsfilm. Viele andere Filme der ersten Phasen haben uns gezeigt, wie witzig Superhelden sein können. Aber „Black Panther: Wakanda Forever“ zeigt uns bloß, dass man bei Marvel die Tastenkombination „Strg-c“/“Strg-v“ beherrscht.
 
 
Ich kann nachvollziehen, wie schwer es den Marvel-Filmemachern fallen muss, immer wieder Neues und Originelles zu kreieren. Ich will jetzt nicht behaupten, das wäre genauso, als müsse man sich jede Woche neue, originelle Wege einfallen lassen, interessante und witzige Filmrezensionen zu verfassen. Aber vielleicht ist es doch ähnlich. Auch ich kann nur so und so oft über bessere Filme, Autos, Hunde, meine Frau oder Eva Green schreiben. Der entscheidende Unterschied ist, ich muss (fast) wöchentlich neue Rezensionen schreiben, weil wöchentlich neue Filme ins Kino kommen. Die Herrschaften bei Marvel haben selbst entschieden, in immer kürzeren Abständen neue Filme rauszubringen.
 
Würde man bei Marvel mal eine Pause einlegen, würde man vielleicht selbst merken, wie einfallslos und austauschbar zum Beispiel die Actionszenen in „Black Panther: Wakanda Forever“ ausgefallen sind. Gut, diesmal findet ein Teil der Kämpferei unter Wasser statt. Nass und austauschbar ist aber leider immer noch austauschbar. Den zweifelhaften Höhepunkt des Films bildet ein komplett lieblos und beliebig gestalteter Zweikampf an einem Strand, der nicht einmal halbwegs an den Schluss von „Mission: Impossible II“ heranreicht. Und dieser Film ist mehr als zwanzig Jahre alt.
 
Die Action ist also nichts, was man so nicht schon oft genug gesehen hätte (unter anderem neunundzwanzig Mal von Marvel selbst). Aber auch die Handlung gibt nicht viel her. Es gibt einen Konflikt, der noch viel mehr an den Haaren herbeigezogen ist als der Streit zwischen Steve Rogers und Tony Stark in „Captain America: Civil War“. Es gibt eine unergiebige politische Verschwörung. Eine erfahrene Kämpferin wird sinnlos degradiert, was aber natürlich folgenlos bleibt. Und es gibt schon wieder eine Origin-Story, die aber auch nicht viel hergibt.
 
Hold me down
 
Auch die Figuren sind nicht wirklich interessant. Sowohl die bereits bekannten als auch die neuen Figuren sind einfach da, weil sie für die Handlung benötigt werden und tun, was für die Handlung nötig ist. Hier entwickelt sich nichts und niemand. Zu den neuen Figuren gehört neben Knöchelflügel-Amphibien-Mann Namor auch eine geniale, freche Studentin, die ihr eigenes geheimes Lagerhaus, ihre eigene Iron Man-Rüstung und einen makellosen Dodge-Challenger aus den frühen Siebzigern besitzt. So weit so lächerlich.
 
Inszeniert wurde das Ganze wieder von Ryan Coogler, der ja auch schon bei Teil Eins im Regiestuhl gesessen hatte. Hier arbeitet Coogler kompetent aber leider weitgehend einfallslos. Die computergenerierten Effekte sind allererste Sahne, aber das sind wir gewohnt. Die Musik stört nicht, hinterlässt aber auch keinen bleibenden Eindruck. Es gibt ein paar halblustige Scherzchen, aber nichts worüber man sich vor Lachen den Bauch halten müsste. Die Darsteller*innen zeigen zum großen Teil solide Leistungen. Entweder muss Letitia Wrights Figur Shuri das Charisma einer echten Anführerin noch entwickeln oder die Schauspielerin muss lernen, wie man dieses darstellt. Angela Bassett zeigt so viel Charisma, man wünschte, sie könnte ihrer jüngeren Kollegin etwas davon abgeben. Lupita Nyong’o wirkt wieder liebenswert. Danai Gurira wirkt wieder bedrohlich. Martin Freeman ist auch wieder dabei, hinterlässt aber praktisch keinen Eindruck.
 
Neu dabei ist unter anderem die junge Dominique Thorne in der Rolle der genialen Studentin Riri Williams. Auch sie vermag niemanden zu beeindrucken. Aber wie das bei Marvel nun mal so läuft, wird sie diese Figur auch in der Serie „Ironheart“ spielen, die gerade gedreht wird und natürlich auch in „Avengers: Secret Wars“, der bereits für 05.05.2026 angekündigt ist. Am besten gleich im Kalender eintragen.
 
Der zweite Neuzugang ist Tenoch Huerta. Der noch recht unbekannt Schauspieler hatte noch vor wenigen Jahren in „James Bond 007: Spectre“ die Rolle des „Mexican Man in Lift“ gespielt. In der Rolle des Namor strahlt er als Herrscher über sein Volk keinerlei Autorität aus. Er wirkt als Verführer nicht charmant. Er wirkt als Kämpfer nicht hart. Und er wirkt als Schurke nicht bedrohlich. Ganz allgemein muss man sagen, dass er damals in der Rolle des „Mexican Man in Lift“ besser besetzt war und nicht so überfordert wirkte.
 
 
Fazit
 
Der Titel des Films lautet „Black Panther: Wakanda Forever“. Und man möchte hinzufügen „... forever and ever“. Denn unabhängig von seiner Mittelmäßigkeit wird der Film wieder jede Menge Geld einbringen und daher Fortsetzungen bekommen. Vielleicht bieten diese Fortsetzungen dann wieder mal etwas Neues. Dann wären diese Filme auch wieder etwas Besonderes.
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor:in: Walter Hummer
  • Regie: Ryan Coogler
  • Drehbuch: Joe Robert Cole
  • Besetzung: Letitia Wright, Danai Gurira