M3gan - Kinostart: 12.01.2023

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Tödliche Beschützerin: In Gerard Johnstones schwarzhumorigem ...
 
... Scifi-Horrorthriller „M3GAN“ interpretiert eine Hightech-Puppe ihre Rolle als beste Freundin und Trösterin eines Waisenmädchens auf denkbar rabiate Weise.
 
Bedrohung durch zügellose KI
 
Gruselige Puppen kennt das Kino seit den Anfängen und hat über die Jahre schon einige ikonische Figuren hervorgebracht. 1988 tauchte etwa in „Chucky – Die Mörderpuppe“ erstmals die titelgebende Spielzeuggestalt auf, die sich in eine effektive Killermaschine verwandelt. Neben diversen Fortsetzungen und einer Fernsehserie entstand auch das 2019 veröffentlichte Remake „Child’s Play“, das die ursprünglich übernatürlich angehauchte Reihe mit einem technischen Dreh erdet.
 
Im Mittelpunkt steht nicht eine Puppe, die durch Voodoo-Zauber vom Geist eines Serienmörders beseelt ist, sondern ein mit künstlicher Intelligenz ausgestatteter Kinderzimmergefährte, der Amok läuft, weil all seine Sicherheitsprotokolle deaktiviert wurden. Die Angst vor unkontrollierter Technik und der kritische Blick auf die kapitalistischen Strukturen hätten einen satirisch herrlich bissigen Schocker ergeben können. Seine Ideen reizt der Film allerdings nicht richtig aus.
 
Ähnliches gilt für „M3GAN“, den jüngsten Beitrag zum Puppenhorrorsubgenre. Auch wenn viele US-Kritiker den Eindruck erwecken, der Reißer sei unglaublich unterhaltsam, muss man den Machern vorhalten, dass sie zu wenig aus ihrer saftigen Prämisse herauspressen und den Spagat zwischen Spannung, echtem Grauen und schräger Komik ein ums andere Mal verpatzen.
 
Das Zentrum der Handlung bildet auch hier eine Hightech-Puppe (verkörpert von Amie Donald und im englischen Original gesprochen von Jenna Davis), die – „Child’s Play“ lässt grüßen – über eine erstaunliche KI verfügt, ihr Wissen ständig erweitert, mit ihrer Umgebung tatsächlich interagieren und auf Gefühle ihrer Bezugsperson eingehen kann.
 
Entwickelt wurde das Wunderding von der Robotik-Expertin Gemma (Allison Williams), ohne dass ihr Chef (Ronny Chieng) beim Spielzeughersteller Funki grünes Licht dafür gegeben hätte. Dass sie unverhofft die Vormundschaft für ihre kleine Nichte Cady (Violet McGraw) übernehmen muss, deren Eltern bei einem Unfall gestorben sind, passt der jungen Frau eigentlich nicht in den Kram. Doch dann steckt sich Gemma ein – natürlich brandgefährliches – Ziel: Den Nutzen und das Potenzial ihrer Schöpfung will sie an Cady testen, um die sich die M3GAN (kurz für: Model 3 Generative ANdroid) genannte Puppe fortan kümmern soll.
 
Eltern auf dem Abstellgleis
 
Horrorexperte James Wan, der als Ideengeber und Produzent fungierte, Drehbuchautorin Akela Cooper und Regisseur Gerard Johnstone nehmen in „M3GAN“ interessante Auswüchse unserer fast vollständig durchtechnisierten Welt ins Visier. Kinder kommen heute immer früher in Kontakt mit leistungsfähigen, hochentwickelten Geräten.
 
Manche Eltern geben immer bereitwilliger ihre Erziehungsaufgaben ab und haben keine Zeit mehr für aufrichtige Gespräche mit ihrem Nachwuchs. Gemmas Puppe bietet sich als der perfekte Ersatz an, scheint sie doch all das mit spielender Leichtigkeit übernehmen zu können, was Erwachsene nur mit Kraft und Aufwand hinbekämen. Werden uns Maschinen irgendwann näher sein als andere Menschen? Diese Frage stellt der Film schon sehr früh in den Raum, gelangt häufig aber nicht über Stichworte hinaus. Für eine Satire ist „M3GAN“ unter dem Strich schlichtweg nicht bissig und clever genug. Was weit mehr stört: Statt boshaft-lustig wird es mitunter übertrieben lächerlich.
 
Große Horrorfans seien außerdem gewarnt, dass eine durchdringend unheimliche Atmosphäre ein frommer Wunsch bleibt. Johnstone spult in der ersten, recht gemächlichen Dreiviertelstunde das Standardprogramm der Gruselinszenierungen herunter und packt anschließend ein paar kleine Gemeinheiten aus, dürfte damit allerdings den meisten Zuschauern nicht unbedingt den Angstschweiß auf die Stirn treiben.
 
 
Suboptimal ist auch der erzählerische Aufbau. Der über Cadys Verlust eingefädelte Traueraspekt wirkt aufgesetzt. Ein Nebenstrang rund um den Assistenten (Stephane Garneau-Monten) von Gemmas Boss wird angeteasert, hat letztlich aber keine dramaturgische Bedeutung. Der zeitliche Ablauf, vor allem mit Blick auf die erste öffentliche Präsentation von M3GAN, bleibt merkwürdig diffus. Und gelegentlich erlaubt sich der Film unglaubwürdige Volten, an denen man auch in einer bewusst ins Absurde ausgreifenden Horrorgeschichte zu knabbern hat.
 
Die Umstände, unter denen die intelligente Puppe zum Beispiel bei einem Kinderfest zum blutigen Werk schreiten kann, lassen Gemma als unglaublich naiv dastehen. Dass die Techniktüftlerin vom Drehbuch eine vorhersehbare Läuterung verpasst bekommt und sich am Ende ihrer Verantwortung für ihre Nichte stellen will, ist alles andere als mutig. Gerade in diesem Punkt hätte „M3GAN“ Erwartungen unterlaufen und das Publikum überraschen können.
 
 
Fazit
 
Gerard Johnstones satirisch aufgeladener Scifi-Puppengrusler besteht aus vielen reizvollen Bausteinen, setzt diese jedoch zu selten wirklich überzeugend zusammen. Sowohl in Sachen Horror als auch auf der Humorschiene wäre deutlich mehr möglich gewesen!
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor:in: Christopher Diekhaus
  • Regie: Gerard Johnstone
  • Drehbuch: Akela Cooper
  • Besetzung: Violet McGraw, Allison Williams