Die unlangweiligste Schule der Welt - Kinostart: 26.10.2023

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Die Macher von „Die unlangweiligste Schule der Welt“ haben es sich mit dem ...
 
... Titel ihres Films selbst schwer gemacht ...
 
Lasst Euch überraschen
 
Maxe ist Schüler an der langweiligsten Schule der Welt. Der Direktor seiner Schule will sein strenges „Regelwerk“ auch noch an anderen Schulen zur Grundlage des Unterrichts machen. An seine verständnislosen Eltern kann der arme Maxe sich nicht wenden, ... blablabla, ... Mitschüler keine Hilfe, ... gähn, ...irgendwie außerirdischer oder überirdischer Helfer greift ein, ... ich bin müde, ... Abenteuer im Wald, ... mir ist langweilig, ... müssen die Kinder das Schlimmste verhindern, ... tut mir leid, ich kann nicht mehr, ...
 
Der große Flann O’Brien meinte einmal: „Anybody who has the courage to raise his eyes and look sanely at the awful human condition ... must realize finally that tiny periods of temporary release from intolerable suffering is the most that any individual has the right to expect.“ Ja, dieser Kinderfilm hat mich an dieses Zitat erinnert. Diese Art von Film ist das.
 
O’Brien meinte mit “vorübergehender Befreiung von unerträglichem Leid” sicher hauptsächlich den Alkohol. Mir persönlich bringt seit meiner Kindheit das Kino immer wieder diese Befreiung. Das Kino und Hunde. Ein schlechter Film bringt nicht nur keine Befreiung. Nein, er erinnert an dieses unerträgliche Leid. Ein besonders schlechter Film trägt noch zu diesem Leid bei. Und ein besonders schlechter Kinderfilm trägt zu diesem Leid bei Kindern bei. Da können nicht einmal mehr Hunde helfen.
 
Nichts an dem Kinderfilm „Die unlangweiligste Schule der Welt“ ist gut. Rein gar nichts daran ist gelungen. Die Regie ist so unergiebig und langweilig, man kann kaum glauben, dass Regisseur Ekrem Ergün zuvor schon einmal einen Film inszeniert hat. Zu dem Film „Hördur – Zwischen den Welten“ von 2015 gibt es nicht einmal einen Wikipedia-Artikel, ebenso wenig wie zu Regisseur Ekrem Ergün selbst. Vermutlich besser so.
 
Ergüns zweiter Film ist geradezu lächerlich langweilig. In der „aufregendsten“ Szene des ganzen Films „rettet“ ein junger Mann seine Mitschüler aus einer Pfütze. Anders kann man diese Szene nicht beschreiben. Schüler werden aus einer Pfütze gerettet. Wovor bleibt unklar. Mehr passiert nicht. Tut mir leid.
 
„Die unlangweiligste Schule der Welt“ ist die Art von Film, in der es „lustig“ ist, wenn Erwachsene Schwimmflügelchen tragen. Oder lächerliche Klamotten. Aber am „lustigsten“ sind die Schwimmflügelchen.
 
Das einfallslose und langweilige Drehbuch hat Erstlingsdrehbuchautorin Sabrina J. Kirschner nach ihrer eigenen Buchvorlage verfasst. Weil mir die Lektüre des Buchs zum Glück erspart geblieben ist, kann ich nicht verlässlich beurteilen, ob Frau Kirschner keine Drehbücher schreiben kann oder keine Bücher. Müsste ich raten, würde ich auf beides tippen.
 
 
Nichts in dieser Geschichte ergibt irgendeinen Sinn. Warum werden die Kinder vom Helfer weggeschickt, wenn sie in der Schule das Buch zerstören sollen? Keine Ahnung. An einer Stelle fragt Maxe seine Eltern: „Warum habt ihr mich eigentlich auf diese Schule geschickt?“ und spricht damit aus, was das Publikum denkt. Dass die Autorin ihre Hauptfigur diese Frage stellen lässt, aber keine befriedigende Antwort liefert, verrät viel darüber, wie Frau Kirschner Geschichten schreibt.
 
Kinderfilme dürfen alles Mögliche sein: anspruchsvoll, albern, gruselig, durchgedreht, ernst, lustig, traurig, ... wirklich alles. Aber eines darf ein Kinderfilm niemals sein: langweilig. Kinder haben kaum Toleranz für Langeweile. Wie man als Regisseur und Drehbuchautorin einen durch und durch stinklangweiligen Film drehen und diesem dann ohne jede Ironie den Titel „Die unlangweiligste Schule der Welt“ geben kann, ist das einzige Interessante an diesem Film. Aber vermutlich werden wir nie erfahren, was sich die Macher dabei gedacht haben.
 
Aber auch nicht zu viel Vergnügen
 
Die Besetzung besteht zunächst aus einem jungen Mann namens Lucas Herzog und sechs anderen Heranwachsenden. Maxens Schulklasse hat nämlich nur sieben Schüler. Wie gesagt, diese Art von Film ist das. Die jungen Damen und Herren passen im richtigen Leben hoffentlich in der Schule gut auf, damit sie später mal studieren oder eine gute Ausbildung absolvieren können. Als Schauspieler*innen hat wohl keine und keiner von ihnen eine große Zukunft vor sich.
 
Ein Darsteller namens Serkan Kaya spielt einen Inspektor der Behörde für Langeweilebekämpfung, der aus irgendeinem Grund aus dem Weltall kommt und viel zu bunte Klamotten trägt. Tja, diese Art von Film ist das. Seine Darstellung erinnert an jemanden, der viel zu lange viel zu viel und viel zu verbissen für die Abschlussprüfung an der Clownsschule gelernt und sich dabei die ganze Nacht mit viel zu viel schwarzem Kaffee wachgehalten hat.
 
Felicitas Woll kennt man aus Fernsehproduktionen wie „Berlin, Berlin“. Oliver Korittke kennt man unter anderem aus „Die Musterknaben“. Beide sind also professionelle Schauspieler*innen. Wenn man die beiden in diesem Film sieht, würde man das nicht vermuten.
 
Aus irgendeinem Grund spielt Max Giermann in diesem Film mit. Dabei hätte er letztes Jahr zusammen mit allen anderen Mitwirkenden an „Die Geschichte der Menschheit – leicht gekürzt“ mit lebenslangem Berufsverbot belegt werden müssen. Das Beste, was man über Giermanns Leistung sagen kann ist, dass er diesmal auf seine ewige Klaus-Kinski-Imitation verzichtet. Die kommt vielleicht in den Director’s Cut.
 
Und weil wir alle jede “vorübergehender Befreiung vom unerträglichem Leid” dieses Films brauchen, die wir bekommen können, berichte ich zum Schluss noch über das einzig Gute an dem Film: Maxes Hund „Makkaroni“ (ja, der Hund heißt „Makkaroni“. Das ist wirklich diese Art von Film.) wird von einer Hündin namens Ida gespielt. Ida ist ein guter Hund. Den Film kann sie aber alleine auch nicht retten.
 
 
Fazit
 
Die Macher dieses Films scheitern kläglich an der Vorgabe des Titels. Den langweiligsten Kinderfilm der Welt kann nicht einmal mehr ein guter Hund retten.
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor:in: Walter Hummer
  • Regie: Ekrem Ergün
  • Drehbuch: Sabrina J. Kirschner
  • Besetzung: Serkan Kaya, Max Giermann