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Kin - Kinostart: 13.09.2018

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Und wieder ein Science-Fiction/Fantasy-Film mit einem jugendlichen Helden?
 
Hatten wir sowas in letzter Zeit nicht schon ein paarmal? Aber vielleicht ist „KIN“ ja besser als die anderen Filme dieser Art? Oder zumindest irgendwie anders? Könnte ja sein …
 
„60 Riesen und eine Alienknarre?“
 
Der vierzehnjährige Eli Solinski hat es nicht leicht. Seine Adoptivmutter ist verstorben. Sein Adoptivvater ist ein harter Hund. Und sein Adoptivbruder, Jimmy, ist gerade nach sechs Jahren aus dem Gefängnis entlassen worden und schuldet nun dem Gangsterboss Taylor sechzigtausend Dollar. Damit noch nicht genug. In einem Abbruchhaus findet Eli eine mächtige Alienwaffe. Jimmy versucht seine Schulden mit einem Einbruch zu tilgen. Und nachdem das gründlich schief gegangen ist, flüchten die beiden Brüder quer durch die Vereinigten Staaten. Dabei sind ihnen aber nicht nur Taylor und seine Bande auf den Fersen, sondern auch zwei Außerirdische auf Motorrädern …
 
„KIN“ ist kein komplett misslungener Film. Dazu ist er zu professionell gemacht. Aber der Film ist auch in keiner Hinsicht irgendwie originell, spannend, witzig oder auch einfach nur irgendwie besonders. In technischer Hinsicht wird nichts falsch gemacht. Die Spezialeffekte sind von guter Qualität. Schnitt, Ton, Kamera machen alle einen guten Job. Die Brüder Jonathan und Josh Baker haben vor ihrem ersten Spielfilm vor allem Werbefilme gedreht. In der Branche lernt man kompetent und effizient zu arbeiten.
 
Die Handlung dreht sich um eine Reihe bewährter Standard-Bestandteile eines Hollywood-Drehbuchs. Wir haben den herzensguten Teenager, der nach dem Tod der Mutter Schwierigkeiten macht. Wir haben den Vater, der zu hart zu seinem Sohn ist, weil er es nicht besser weiß. Wir haben einen bösen Verbrecherboss. Wir haben den Ex-Knacki der alles wieder in Ordnung bringen will. Und wir haben einen geheimnisvollen Gegenstand, nach dem gesucht wird. Daraus könnte man einen guten, wenn auch keinen besonders originellen Film machen.
 
Aber die Brüder Baker und ihr Co-Autor Daniel Casey bekommen aus diesen Zutaten nichts besonders Schmackhaftes gebacken. Wir bekommen kein Gefühl für die Beziehung zwischen dem Vater und seinen Söhnen. Dennis Quaid bekommt einfach nicht genug Zeit, seine Rolle mit Leben zu füllen. James Franco spielt den Verbrecherboss, wie ihn auch jeder andere Darsteller in Hollywood mindestens ebenso gut hätte spielen können. Es ist schwer zu sagen, ob Franco keine Lust auf eine echte darstellerische Leistung hatte oder ihm die Rolle einfach zu schlecht geschrieben war. Vermutlich beides.
 
Ebenso unklar ist, ob die Rolle des großen, eben aus dem Gefängnis entlassenen Bruders Jimmy absichtlich so dumm geschrieben wurde oder ob das Autoren-Trio nicht genug Fantasie hatte, um die Handlung anders voranzutreiben. Jedenfalls gelingt es diesem Jimmy in jeder einzelnen seiner Szenen, etwas haarsträubend Dummes zu tun oder zu sagen. Zu einem simplen Einbruch nimmt er natürlich den psychisch instabilen Taylor und seine halbe Bande mit. Nur so kann alles so schief als möglich laufen. Auf der Flucht vor der Polizei und den Gangstern muss er selbstverständlich mit seinem minderjährigen Bruder einen Strip-Club besuchen. Nachdem er im Club eine Schlägerei provoziert, vergisst er dort klarerweise die ganze Beute. Später trägt er bei einem Überfall eine Maske und spricht einen der Anwesenden aber sofort auf die Vorfälle im Club an, sodass dieser auch ganz genau weiß, von wem er gerade überfallen wird.
 
 
„Du bist wirklich mein Held, Cowboy“
 
Die Rolle des Jimmy ist ja wenigstens nur dumm geschrieben. Aber als den Drehbuchautoren nämlich gerade noch rechtzeitig eingefallen ist, dass man keinen Hollywoodfilm ohne eine Rolle für eine attraktive, junge Schauspielerin verkaufen kann, haben sie sich die Figur der Stripperin Milly ausgedacht. Und diese Figur ist nicht nur dumm sondern einfach nur furchtbar geschrieben.
 
Wir wissen schon lange, dass man in Unterhaltungsfilmen aus den USA leider nur sehr selten realistische, intelligente, starke Frauenfiguren gezeigt bekommt. Aber die Rolle der Milly ist schlicht komplett daneben. Wäre diese Stripperin einfach nur dumm, wäre das noch halb so wild. Dann könnte man je nachdem schmunzeln oder weinen, wenn die junge Frau ein billiges Souvenir-Shirt mit der Aufschrift „Nevada“ ohne jede Ironie als „ziemlich cool“ bezeichnet. Aber diese Frau zeigt im Verlauf des Films praktisch keine Spur von Charakter. Sie stiftet einen unschuldigen Teenager zu einem Überfall auf eine bewaffnete Pokerrunde an. Als die beiden Brüder dann später Ärger bekommen, lässt sie diese sofort im Stich. Das Verhalten dieser Figur wird im Film nie in Frage gestellt. Irgendwann haben die Drehbuchautoren sie dann auch komplett vergessen.
 
Sulaco-County
 
Der Film zeigt einige nette Ansätze. Die Szenen, in denen die Erbärmlichkeit des Lebens der Kriminellen gezeigt wird, sind recht originell gestaltet und wirken wie aus einem anderen, besseren Film entliehen. Ein Profigangster, der sich vor der Schießerei Gehörschutz in die Ohren steckt ist eine ebenso witzige Idee, wie eine futuristische Zeit-Granate. Science-Fiction-Fans werden auch den Namen des Countys mit der inkompetentesten Polizeitruppe seit den Keystone-Cops wiedererkennen.
 
Aber diese wenigen kleinen Vignetten können nicht von der langen Reihe dröger Film-Klischees ablenken, die wir in etwas über 100 Minuten aushalten müssen. Ich dachte, man hätte endlich aufgehört Szenen zu zeigen, in denen in einem Restaurant oder einer Bar im Fernsehen just in dem Moment einen Bericht über die Suche nach einem Verdächtigen gezeigt wird, wenn eben dieser Verdächtige sich in Sichtweite des Fernsehers befindet. Und warum müssen außerirdische Wesen, die intergalaktische Distanzen überwunden haben, für ihre Jagd nach der mächtigen Alienwaffe erst Motorräder stehlen, um darauf die USA zu durchqueren? Die mächtige Alienwaffe sieht dann auch kein bisschen anders aus als alles, was wir schon tausendmal in Filmen oder Computerspielen gesehen haben.
 
Von Aliens und Menschen
 
Der junge Myles Truitt hat schon mehrfach fürs Fernsehen gearbeitet. Vielleicht wird er irgendwann eine richtige Rolle für einen richtigen Schauspieler spielen. Hier, in seiner Rolle als „Eli“ wirkt er immerhin sympathisch.
 
Jack Reynor („Macbeth“, „Free Fire”) hat als großer Bruder „Jimmy“ sicher eine sehr dumme Rolle zu spielen. Vielleicht ist es nicht seine Schuld, wenn man als Zuseher irgendwann hofft, einer der Gangster würde ihn endlich abknallen, damit der Film vielleicht doch noch interessant werden kann.
 
Zoë Kravitz („X-Men: First Class”) hat in keinem ihrer bisherigen Filme so schrecklich unsympathisch gewirkt wie hier als Stripperin Milly. Nehmen wir auch bei ihr einfach mal an, die Schuld läge beim Drehbuch.
 
Co-Produzent Michael B. Jordan (“Creed”) überrascht in einem merkwürdigen Cameo. Zweck seines Auftritts ist es, am Ende des Films nachträglich die Handlung mit einer lächerlichen Erklärung zu versehen und schamlos eine Fortsetzung in Aussicht zu stellen, die hoffentlich nie gedreht wird.
 
 
Fazit
 
„Kin“ ist ein Film, den man sich ansehen kann, wenn er mal im Fernsehen läuft. Um den Kaufpreis einer Kinokarte zu rechtfertigen, hätten die Filmemacher etwas Originelles, Spannendes oder auch nur irgendwie Neues bieten müssen.
 
 
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Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: Jonathan und Josh Baker
  • Drehbuch: Daniel Casey
  • Besetzung: Jack Reynor, James Franco
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