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Intrigo: Tod eines Autors - Kinostart: 25.10.2018

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Grundsätzlich finden ja nur Ärzte und Mütter Husten interessant.
 
Die einen lassen einen immer husten, wenn sie einen abhören. Und die anderen lassen einen vielleicht von der Schule daheimbleiben, wenn man nur oft und kräftig genug hustet. Aber auch im Film kann Husten eine Bedeutung haben. Nicht erst seit „Asphalt Cowboy“ oder „Honkytonk Man“ …
 
Überraschen Sie mich
 
Ein Mann (Benno Fürmann) kommt zu einem Haus an einem Strand. Dort lebt ein Schriftsteller (Ben Kingsley), dem er seinen Entwurf zu einem Buch vorlesen möchte. In der Geschichte fährt der Mann mit seiner Frau zu einem Urlaub in die Berge. Bereits auf der Fahrt, erklärt die Frau, sich von ihrem Mann trennen zu wollen. Wir sehen den lieblosen Umgang der Frau mit dem Mann und wie sie tagsüber ins Nachbartal fährt, um ihren neuen Liebhaber zu sehen. Bald beschließt der Mann seine Frau zu ermorden. Die Frau verschwindet und der Mann lebt weiter. Bis er eines Tages im Radio die Aufnahme eines Konzerts hört, das in einer anderen Stadt stattgefunden hat. Er meint, seine Frau husten zu hören. Als ihm die Möglichkeit angeboten wird, zur Übersetzung des letzten Romans eines jüngst verstorbenen Autors in eben dieser fremden Stadt zu arbeiten, nimmt er sofort an. Dort sucht er nach seiner vielleicht doch nicht ermordeten Frau und wird er in einen weiteren Mordfall verwickelt …
 
Ich schätze mal, die Leser dieser Kritik haben sich an dieser Stelle bereits in zwei Lager geteilt. Die einen haben eben gelesen, wie der Mann seine totgeglaubte Frau im Radio während eines Konzerts husten gehört hat und denken nun bei sich, „Hm, … interessant. Wie mag diese Geschichte wohl weitergehen?“. Die anderen haben ebenso gelesen, wie der Mann seine totgeglaubte Frau im Radio während eines Konzerts husten gehört hat, denken aber nun bei sich „Hä?! Husten?! Hat der cinepreview.de-Mensch gerade erzählt, dass ein Mann sich nicht mehr sicher ist, seine Frau wirklich umgebracht zu haben, weil er sie im Radio HUSTEN gehört hat? Ernsthaft?“. Tja, was soll ich sagen? Dieser Film erzählt diese Art von Geschichte.
 
Es kommt aber noch besser: Wir alle kennen Filme, in denen der Held die Geschichte aus dem off kommentiert. Voice-over nennt man das links vom Atlantik. Wenn Martin Scorsese das in seinen Filmen macht, funktioniert das immer großartig. In „Fight Club“ und anderen Filmen dieses Kalibers funktioniert das auch sehr gut. Manchmal lässt ein Erzähler aus dem off aber auch unsichere Filmemacher erkennen. Kann sich noch jemand an die erste Version von „Blade Runner“ erinnern? Oder findet jemand „Savages“ wirklich gelungen? Oder denkt jemand „The Great Gatsby“ wurde aufgewertet, weil uns Tobey Maguire fast das ganze Buch vorgelesen hat?
 
So oder so, bei voice-over ist weniger eindeutig mehr und allzu viel ist ungesund. Wenn „Intrigo – Tod eines Autors“ nicht der Film mit dem umfangreichsten voice-over aller Zeiten ist, dann hat er es aber sicher unter die ersten fünf geschafft (und ich will die anderen vier Filme sicher niemals sehen müssen). Weil der Held dem Autor sein Buch vorliest, hielten es Regisseur Daniel Alfredson („Millenium“) und Co-Autorin Brigitta Bongenhielm für eine gute Idee, praktisch alles was wir auf der Leinwand zu sehen bekommen, gleichzeitig von der Hauptfigur erzählen zu lassen. Und so sitzt man im Kino und fragt sich, warum man die Hörfilm-Version für Sehbehinderte vorgeführt bekommt. Die Filmemacher haben offensichtlich noch nie von dem Grundsatz „show, don’t tell“ gehört. Darum darf Benno Fürmann uns während ungefähr 97% der Gesamtlaufzeit des Films eine Handlung erklären, die wir nun wirklich auch ohne seine Erläuterungen verstanden hätten.
 
 
Och menno, Benno!
 
Und so kommen wir, nach dem exzessiven voice-over, zum zweiten großen Problem des Films: Benno Fürmann. Die Rolle des Übersetzers/Vorlesers/vielleicht-Mörders David stellt sicher keine einfache Aufgabe dar. Diese Figur wirkt von Anfang an wenig sympathisch. Nach wenigen Minuten Laufzeit sehen wir, wie er der Frau, die sich von ihm trennen will, widerlich einseitigen Sex antut. Tagelang klammert er sich an sie, nimmt ihre Trennungsabsicht lange nicht ernst, bis er dann beschließt, seine Frau zu ermorden. Danach wirkt er ständig verwirrt, stellt sich ständig dumm an. Ben Kingsleys Figur stellt an einem Punkt der Handlung die Frage in den Raum, ob David vielleicht einfach nicht besonders schlau ist. An der Stelle mag man Sir Ben nur zustimmen. An der Rolle des David wären begabtere Schauspieler vermutlich auch gescheitert. Aber sie wären wohl kaum so drastisch gescheitert, wie Benno Fürmann, der nun mal leider das Charisma eines Eimers weißer Wandfarbe hat.
 
Benno Fürmann ist einer dieser Schauspieler, die eine Figur nicht „darstellen“, sondern im besten Fall „spielen“. Und selbst das schafft er oft nicht. In einer Sequenz soll er uns das Alkoholproblem seiner Figur vermitteln. Weil Fürmann aber nie gelernt hat, wie man Suff glaubwürdig darstellt, bekommen wir keinen Säufer zu sehen, sondern nur einen verwirrten Schauspieler, der noch ein bisschen verwirrter spielt als im Rest des Films. Wie wir dann vom Alkoholproblem der Hauptfigur erfahren? Ganz einfach: Die Hauptfigur erklärt es uns doch alles was Fürmann nicht darstellen kann (und das ist eine Menge) einfach im voice-over.
 
Die Regie hilft Fürmann kein bisschen bei seiner Darstellung. Wir bekommen teilweise interessante Bilder zu sehen. Die Szenen im und um das Haus des Autors sind wunderschön anzusehen. Und auch die fiktive Stadt Maardam wirkt durchaus lebendig. Aber mit Schauspielern weiß Regisseur Alfredson wenig anzufangen. Das fällt bei der von Ben Kingsley dargestellten Figur nicht weiter ins Gewicht. Eine Rolle wie die in diesem Film spielt Sir Ben vermutlich noch im Schlaf. Bei den Frauenfiguren fällt der Schaden schon größer aus. Wir können zwar verstehen, warum die von der Schwedin Tuva Novotny gespielte Ehefrau ihren Mann verlasen will. Warum er sie aber unbedingt behalten will, bleibt ein Rätsel. Eine von Daniela Lavender dargestellte Witwe soll wohl erotisch und mysteriös wirken. Sie wirkt im Film aber vor allem verloren.
 
Aber es ist immer wieder die Figur des David, die einfach nie richtig funktioniert. Regie und Drehbuch hätten sich bei der Hauptfigur sehr viel mehr anstrengen müssen. Eine Traumsequenz ist kein bisschen subtil. Eine Affäre mit einer Kellnerin lässt David nicht menschlicher, sondern nur noch weniger sympathisch wirken. Wir verstehen diesen Mann nicht. Wir mögen ihn nicht. Und wenn dieser Mann am Ende wohl meint, moralisch zu handeln, können wir nicht vergessen, dass er bis zu diesem Zeitpunkt immer nur egozentrisch gehandelt hat.
 
 
Fazit
 
Ein Film, in dem ein im Radio gehörtes Husten so große Bedeutung hat, ist sicher kein einfaches Unterfangen. Dafür hätte es ein besseres Drehbuch, eine viel bessere Regie und einen sehr viel besseren Hauptdarsteller gebraucht.
 
 
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Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: Daniel Alfredson
  • Drehbuch: Birgitta Bogenhielm
  • Besetzung: Ben Kingsley, Veronica Ferres
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