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The Great Wall

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Regisseur Zhang Yimou und das Produktionsteam hinter den Veteranen Thomas Tull wie Charles Roven bezeichnen den neuen Action-Blockbuster »The Great Wall« ...
 
... als eine Fusion östlicher wie westlicher Kulturen. Der wahre Zweck liegt jedoch auf der Hand. Der chinesische Kino-Markt boomt und es gilt, sowohl in Hollywood als auch in China möglichst die Kassen klingeln zu lassen, was mit einem rein chinesischen Werk oder eben einem gestandenen Hollywood-Blockbuster deutlich weniger funktioniert hätte.
 
Hollywood goes to China
 
Der Trend, amerikanische Popcorn-Filme inhaltlich nach China zu „expandieren“, geht immer mehr nach oben, was sich an Filmen wie »Pacific Rim« oder »Transformers 4: Ära des Untergangs« erkennen lässt. Qualitativ ist dabei bisher eher wenig Originelles herausgekommen. Es geht lediglich, wie immer eigentlich, um das ganz große Geld.
 
Und genauso ist auch Zhang Yimous »The Great Wall« angelegt, dessen Besetzung zwar fast komplett chinesisch ist, dann aber mit Matt Damon eben doch den weißen unbesiegbaren Überkämpfer als Protagonisten zeigt, wie es in Hollywood nun mal heutzutage sein muss. Der chinesische Star-Regisseur lädt den Zuschauer auf eine Reise in eine fremde Welt ein, nur um dann doch mit altbekanntem Einheitsbrei zu verkehren.
 
Synopsis
 
William Garin (Matt Damon) ist ein europäischer Söldner, der seit er denken kann, mit seinen Kampfkünsten sein Geld verdient, aber auch mit Plünderung und Diebstahl jede Chance auf Reichtum und Macht nutzt. So führt ihn seine Gier bis ins alte Kaiserreich China, wo er zusammen mit seinem Gefährten Tovar (Pedro Pascal) nach dem berüchtigten Schwarzpulver sucht.
 
Die beiden landen schließlich an der Chinesischen Mauer, wo eine gewaltige kaiserliche Armee unter der Führung von General Shao (Hanyu Zhang) und Kommandantin Lin Mae (Jing Tian) gerade Stellung bezieht. Garin und Tovar werden zunächst gefangen genommen und begegnen unter Anderem dem Landsmann Ballard (Willem Dafoe), der ebenfalls seit einer Weile in der Mauer festsitzt.
 
Doch dann kommt es zu einem Angriff. Eine gewaltige Welle bösartiger reptilienförmiger Kreaturen, so genannte Tao Tei, überrollt förmlich die Mauer, während die chinesische Armee allerdings einen beachtlichen Widerstand leistet. Mittendrin die Außenseiter Garin und Tovar, die vor der Entscheidung stehen, im Kampf zu helfen oder mit dem gelagerten Schwarzpulver einfach zu verschwinden…
 
Kriegsfilm ohne Dramaturgie
 
»The Great Wall« spielt ganze 1100 Jahre v.Chr., was daher faszinierend ist, das das namensgebende Bauwerk zwar real nicht ganz so alt ist aber trotzdem schon im fünften Jahrhundert v.Chr. erbaut wurde. Und auch wenn es sich im Film nur um einen Nachbau handelt, fällt jeder Blick auf den tausenden von Kilometern langen Wall wahrlich beeindruckend aus.
 
Mit historischer Korrektheit nehmen es die Autoren (u.a. Tony Gilroy) nicht nur bei der Jahreszahl so genau. Das mehrere Chinesen zu dieser Zeit der englischen Sprache mächtig sind, was selbst heute noch eine Ausnahme im Land ist, ist ebenso großer Quatsch wie das der Zweck der großen Mauer die Verteidigung gegen echsenartige Monster und nicht gegen Nomaden und Mongolen darstellt.
 
 
Doch »The Great Wall« nimmt sich ganz bewusst diese Freiheiten, denn das Kaiserreich China ist im Film gezielt eine komplett fiktive alternative Welt. Es ginge rein um die größt mögliche Unterhaltung. Ob man an diesem Kriegsfilm Spaß haben kann oder schnell aufgrund all des Unsinns das Weite sucht, hängt speziell davon ab, ob man sich auf diese Welt einlassen kann.
 
Wer hier ein dramatisches Epos erwartet, hat schon verloren. Während der kurzweiligen 103 Minuten Laufzeit gibt es weder Charakterentwicklung, Spannung oder überhaupt irgendeinen intelligenten durchdachten dramaturgischen Vorgang.
 
Selbstironie und Selbstgespräche
 
»The Great Wall« ist sogar noch flacher und klischeebehafteter als ein »Pacific Rim« und statt wie bei genialen »Mad Max: Fury Road« gleich ganz auf eine ohnehin schon überflüssige Geschichte zu verzichten und den Fokus komplett auf gänzlich übertriebene Action zu legen, geht es Regisseur Zhang Yimou (»Hero«) eher gewohnt seicht an und lässt auch kein Genre-Klischee aus. Glücklicherweise nimmt sich der Film dennoch nie zu ernst und fährt somit nicht wie die »Transformers«-Reihe gegen die Wand.
 
Immer wieder gibt es kleine selbstironische Zeilen, doch wirklich lustig wird es auch nie, da der Humor wirklich stark bemüht daherkommt und die Dialoge teilweise grausam aufgesetzt wirken. Unfreiwillig komisch wird es dann, wenn die Protagonisten Garin und Tovar zu Beginn ständig jedes Ereignis im Dialog kommentieren müssen. Auf einen chinesischen Regisseur zu setzen, tut der Geschichte dennoch gut.
 
So setzt Yimou respektvoll und stolz sein Volk in Szene, wie es ein Hollywood-Regisseur nie geschafft hätte. Extrem ungewöhnlich ist auch, auf gleich zwei Chef-Kameramänner zurückzugreifen, einen chinesischen und amerikanischen. Dieser stetige Ost-West-Mix stört aber eher. Eine rein asiatische Besetzung zum Beispiel hätte uns die noch so fremde chinesische Filmwelt näher bringen können.
 
Aber natürlich musste mit Matt Damon (»Elysium«) unbedingt ein klassischer weißer Held die Hauptrolle spielen, der auch noch der perfekte Kämpfer scheint, während die gigantische kaiserliche Armee ohne ihm gegen die Tao Tei kaum zurechtkommt. Wie man es deutlich besser machen kann, zeigt Danny Boyles »Slumdog Millionaire«, wo die Besetzung komplett indisch ausfällt. Leider verspielt Zhang Yimou auch einiges von seinen visuell doch eigentlich so einzigartigen Fähigkeiten, indem er gleich zu Beginn das gesamte Bilder-Feuerwerk abfackelt, nur um beim Rest dann auf Sparflamme zu kochen.
 
Die großen Belagerungsszenen an der Mauer mit all ihren bunten Effekten und Massen an Soldaten wie Kreaturen werden nämlich gleich in die erste Filmhälfte gelegt. Das Ganze macht dann auch durchaus großen Spaß und ist wie erwartet toll anzusehen, doch danach gibt es lediglich langweilige Story-Sequenzen und ein wirklich uninspiriertes Finale. Der Film verliert so sehr schnell seinen ganzen Reiz und kommt mit einer vorhersehbaren Wendung nach der andern daher.
 
 
Fazit
 
Eigentlich ist »The Great Wall« genauso geworden, wie man es erwarten konnte. Doch unterhaltsame Hirn-Aus-Action mit tollen Bildern gibt es nur kurz zu Beginn, danach wird es zu eintönig und schlichtweg zu blödsinnig. Um all die unsinnigen Dialoge und unglaublich platten Charaktere verzeihen zu können, braucht es schon ein bisschen mehr.
 
Da kann der talentierte Regisseur Yimou noch so sehr mit seinen bunten Kulissen und Kostümen um sich werfen. Zwar ist der Film eigentlich klar für die große Leinwand gedacht und macht da auch einiges mehr her, doch eigentlich reicht es auch für den lustigen Heimkino-Abend. Die teure Kinokarte muss es nicht unbedingt sein.
 
 
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Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Alexander Friedrich
  • Regisseur: Zhang Yimou
  • Drehbuch: Carlo Bernard
  • Stars: Matt Damon, Willem Dafoe
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