Mein Freund Barry - Kinostart: 19.03.2026

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Altmodische Filme können auf angenehme oder aber auch auf eine unangenehme ...
 
... Art und Weise altmodisch sein …
 
Der Hund blieb mir im Sturme treu, …
 
Im Jahre 1800 versuchen die verwaisten Bauernkinder Georg und Alfons über den Großen St. Bernhard von der Schweiz nach Italien zu gelangen. Georg erkrankt während der Reise und so lässt ihn sein großer Bruder Alfons im Hospiz der Chorherren zurück. Nach seiner Genesung muss Georg für Kost und Logis arbeiten. Eines Tages entdeckt er einen Bernhardinerwelpen, der zu schwach ist, um sich im Gerangel um die Muttermilch gegen seine Brüder und Schwestern durchzusetzen. Georg beginnt, sich heimlich um den kleinen Hund zu kümmern …
 
„Mein Freund Barry“ ist ein Film, wie man ihn heute nur noch selten im Kino zu sehen bekommt: ein klassischer Tier-Kinder-Film. Wir alle kennen diese Filme über die dramatische Beziehung zwischen einem Kind und seinem Tier aus vergangenen Jahrzehnten. „Heimweh“ war 1943 der Beginn von zwei Weltkarrieren, der von Elizabeth Taylor und der von Lassie. 1946 folgte nicht der letzte Film rund um „Black Beauty“ und seine kindliche Besitzerin. Später schwammen „Flipper“ und Sandy durch die Kinos und bald darauf auch durchs Fernsehen.
 
Im Lauf der Zeit gab es „Der schwarze Hengst“, „Free Willy“ und weitere Filme rund um „Lassie“ und „Flipper“, aber irgendwann wurden immer weniger dieser Tier-Kinder-Filme produziert. Für Pferdebegeisterte Mädchen gab es noch die Filme rund um „Hanni und Nanni“, „Ostwind“ und „Immenhof“. Aber was gab es für kindliche Hundeliebhaber? Filmen wie „Enzo und die wundersame Welt der Menschen“ oder „Ruf der Wildnis“ fehlen die kindlichen Protagonisten und so sind sie für kindliches Publikum nur bedingt geeignet.
 
„Mein Freund Barry” ist ein im besten Sinne des Wortes altmodischer Film. Wie schon die beiden ersten Verfilmungen des Lebens des berühmten Rettungshundes aus den Vierziger- und Siebzigerjahren erzählt auch der neue Film wieder eine wunderschöne Geschichte um Treue und Zuneigung, um Familie und Freundschaft. Dabei hat das Drehbuch von Jan Poldervaart sogar einige durchaus interessante Parallelen zum modernen Leben anzubieten. Kinder, die sehen welche Strapazen die armen Schweizer Bauernkinder für die vage Chance auf ein besseres Leben in einem fremden Land auf sich nehmen, können vielleicht nachvollziehen, was verzweifelte Menschen im 21. Jahrhundert das Mittelmeer in Schlauchbooten überqueren lässt.
 
… der Mensch nicht mal im Winde
 
Die Regie von Markus Welter ergänzt diesen altmodischen Eindruck. Meist statische Einstellungen werden zu Szenen montiert, diese Szenen folgen der Reihe nach aufeinander. Das wirkt alles auf betuliche Art und Weise professionell. Visuell beindruckend ist der Film, der immerhin teilweise auf über 2.000 Meter Seehöhe gedreht wurde, leider nur selten. Die Qualität der gezeigten Bilder liegt meistens irgendwo zwischen gefällig und unspektakulär.
 
Altmodisch wirkt auch die Mühe, die sich Regie und Drehbuch geben, wirklich jedes Klischee zu bedienen. Der reiche Novize ist ein Schnösel, der Prior ist hart aber gerecht und am Ende geht alles gut aus. Wir bekommen sogar zu sehen, wie Barry zu seinem Fässchen um den hals kommt, das weder der historische Barry noch seine Kollegen und Nachkommen je tatsächlich im Einsatz getragen haben.
 
Manchmal kommt es zum Bruch im altmodischen Gesamteindruck des Films. Hauptsächlich weil sich Drehbuch und Regie kaum jemals auf eine homogen klingende Sprache der Protagonisten einigen können. So spricht etwa ein kleines Mädchen ganz altmodisch und gestelzt vom „Bruder Medicus“ und benutzt auch andere historisch klingende Begriffe, findet dann aber Augenblicke später alles „super“.
 
Altmodisch wirken sowohl die Zusammensetzung der Besetzung als auch deren Leistungen. Die erwachsenen Darsteller sind erfahrene Profis, die leider kaum mehr als Routine vermitteln. Ulrich Tukur („John Rabe“) spielt den Prior und wirkt nach „Die Drei ??? und der Karpatenhund“ innerhalb eines Jahres in seinem zweiten Kinderfilm mit Hundethema mit und verlässt dabei seine Komfortzone wieder nicht.
 
Max Hubacher wirkte in „Der Hauptmann“ angsteinflößend und danach in „Sachertorte“ überaus sympathisch. Hier wirkt er leider fast gar nicht. Von Routine kann bei den Kinderdarsteller*innen keine Rede sein. Sie sind fast alle in ihren ersten Filmrollen zu sehen. Paco von Wyss ist offensichtlich ein netter Junge und macht seinen Job nicht schlecht. Ein weiterer junger Mann namens Mael Gallati kann wahrscheinlich noch nicht recht abschätzen, wie altmodisch und klischeehaft seine Rolle ist. Eine junge Dame namens Alma Büchenbacher wirkt einfach zauberhaft und bildet das emotionelle Zentrum dieses Films.
 
Die Stars des Films sind aber die verschiedenen Hunde, die „Barry“ darstellen. Auch wenn die Hauptfigur, selbst am Standard von Bernhardinern gemessen, während der Handlung ein bisserl zu schnell vom schwachen Welpen zum bärenstarken, verlässlichen Lawinenhund heranwächst, gibt es an der Leistung der Hundeschauspieler nichts auszusetzen. Wie wir alle wissen, gibt es keine schlechten Hunde, nur schlechte Hundehalter. Und daher kann es auch keine schlechten Hundeschauspieler geben, nur schlechte Regisseure.
 
 
Fazit
 
Ein auf angenehme Art und Weise altmodischer Tier-Kinder-Film. Verschiedene Schwächen des Drehbuchs und der Regie werden von den Bernhardinern überspielt. Das sind eben alles gute Hunde.
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor:in: Walter Hummer
  • Regie: Markus Welter
  • Drehbuch: Jan Poldervaart
  • Besetzung: Paco von Wyss, Alma Büchenbacher