Schon das Poster von THE END OF OAK STREET macht keine großen Anstalten, ...
... ein Geheimnis daraus zu machen, worum es hier geht. Auf der einen Seite befinden sich Ewan McGregor und Anne Hathaway offenbar auf der Flucht, auf der anderen marschiert ein Tyrannosaurus Rex ins Bild. Mehr muss man über David Robert Mitchells Film eigentlich nicht wissen. Die Ausgangsidee ist phantastisch, eine Erklärung dafür gibt es nicht, und sobald die Dinosaurier auftauchen, heißt es vor allem: Beine in die Hand nehmen.
Im Vorort der Dinosaurier
Wir befinden uns im Jahr 1981. Greg lebt mit seiner Frau Denise und den beiden Kindern Audrey und Brian in einer amerikanischen Vorstadt. Nach außen wirkt alles ziemlich gewöhnlich, doch hinter der Fassade sieht es weniger harmonisch aus. Greg verdient sein Geld als Pizza-Lieferant, während Denise einen Roman geschrieben hat und offenbar davon träumt, ihrem bisherigen Leben zu entkommen. Auch die Ehe der beiden läuft längst nicht mehr rund. Dann erhellt eines Nachts ein merkwürdiges Licht den Himmel. Am nächsten Morgen hat sich die Welt verändert. Ein Teil der Oak Street wurde mitsamt Häusern und Bewohnern in die Urzeit versetzt. Und dort interessieren sich die neuen Nachbarn weniger für gepflegte Vorgärten als dafür, wer gerade auf dem Speiseplan steht.
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Der vierte Film
Mit IT FOLLOWS machte David Robert Mitchell 2014 nachhaltig auf sich aufmerksam. Vier Jahre später folgte der deutlich sperrigere UNDER THE SILVER LAKE, der das Publikum wesentlich stärker spaltete. Danach wurde es lange ruhig um den Regisseur. Für seinen vierten Kinofilm denkt Mitchell nun erheblich größer und bewegt sich erstmals deutlich in Richtung Sommer-Blockbuster. Im Grunde verbindet er JURASSIC PARK mit einer amerikanischen Vorstadtidylle und verlegt das Ganze in die frühen Achtzigerjahre.
Dass die Handlung ausgerechnet 1981 angesiedelt ist, hat dabei weniger erzählerische als atmosphärische Gründe. Mitchell will das Kino jener Zeit beschwören, und das gelingt ihm erstaunlich gut. Immer wieder fühlt man sich an Steven Spielbergs Filme erinnert, was Michael Giacchinos Musik noch zusätzlich unterstützt. Der Komponist orientiert sich hörbar an John Williams und liefert den passenden orchestralen Bombast. Wirklich notwendig wäre das Achtzigerjahre-Setting für die Geschichte nicht gewesen, für die Stimmung des Films ist es dagegen Gold wert.
Recht kurz
Ganz über die rund 100 Minuten trägt diese Mischung allerdings nicht. Besonders im Mittelteil beginnt THE END OF OAK STREET auf der Stelle zu treten. Ein Dinosaurier taucht auf, die Familie rennt weg, kurz darauf erscheint der nächste Dinosaurier und das Spiel beginnt von vorne. Mitchell bemüht sich durchaus, die einzelnen Begegnungen unterschiedlich zu gestalten, aber irgendwann stellt sich dennoch das Gefühl ein, Variationen derselben Szene zu sehen. Spannung und Humor sind vorhanden, nur hätte die Geschichte zwischendurch noch ein oder zwei zusätzliche Ideen vertragen können.
Das gilt besonders für das große Mysterium. Mitchell interessiert sich überhaupt nicht dafür, warum die Oak Street in der Urzeit gelandet ist. Es passiert einfach. Ebenso existiert praktischerweise eine Möglichkeit, wieder nach Hause zu kommen. Mehr erfahren weder die Figuren noch das Publikum. Man kann argumentieren, dass wir dadurch genauso ratlos bleiben wie Greg und seine Familie. Trotzdem hinterlässt diese Verweigerung von Antworten einen etwas unbefriedigenden Eindruck.
Dafür gelingen Mitchell einige überraschende Momente, gerade wenn der erwartete T-Rex seinen großen Auftritt bekommt. Nicht jeder Dinosaurier erweist sich zudem als gleichermaßen gefährlich, und sogar eine herrlich analoge Achtzigerjahre-Version des obligatorischen Erinnerungsfotos ist drin. Die Dinosaurier selbst können sich durchweg sehen lassen. Die CGI-Effekte funktionieren hier ausgezeichnet. Ausgerechnet beim Familienhund Starbuck schwächeln sie dagegen deutlich. Sobald dieser einen Flugsaurier attackiert und das echte Tier durch sein digitales Gegenstück ersetzt wird, ist der Effekt kaum zu übersehen.
Fazit
Trotz mancherf Schwächen macht THE END OF OAK STREET ziemlich viel Spaß. Der Film liefert letztlich genau das Spektakel, das Poster und Trailer versprechen: sympathische Stars, Dinosaurier, Achtzigerjahre-Nostalgie und jede Menge Fluchtbewegungen. Das Finale lässt zudem eine Tür für eine Fortsetzung offen. Brauchen würde man die nicht unbedingt. Sollte Mitchell jedoch noch ein paar zusätzliche Ideen für seine prähistorische Vorstadt finden, könnte man durchaus noch einmal in die Oak Street zurückkehren.
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