Late Night - Kinostart: 29.08.2019

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Comedy ist oft ein heikles Thema. Denn worüber darf gelacht werden: Nur über ...
 
... sich bzw. über Witze, die einen selbst betreffen oder eben auch über andere, vielleicht sogar Randgruppen? Ist es in Ordnung, Witze über die angebliche Benachteiligung von Frauen zu reißen, wenn man selbst ein Mann ist? Der Pfad zwischen Diskriminierung und intellektuell nicht ansprechenden Witzen ist unglaublich schmal und sehr schwer zu treffen.
 
Intelligente Comedy ist schwierig
 
Katherine Newbury gelingt das im Film „Late Night – Die Show ihres Lebens“ schon lange nicht mehr. Ihre Quoten sind in den letzten Jahrzehnten unaufhaltsam gesunken, weswegen ihr der Sender nun die Entscheidung vor die Nase setzt, sie zu ersetzten. Während ihre Show für Intelligenz stehen soll, für Gleichberechtigung und Emanzipation will die Intendantin nun einen männlichen Comedian zu ihrem Nachfolger küren, der diese Werte mit Füßen tritt und aus der Schublade Fäkalhumor spricht. Um ihre Show zu retten, engagiert Newbury Molly, eine neue AutorIN, wobei die Betonung hierbei auf den letzten beiden Buchstaben liegt. Denn obwohl Katherine immer von Emanzipation redet, jagen ihr Frauen Angst ein, weswegen ihr komplettes Team bisher aus Männern bestand. Nun liegt es an Molly, diesen Haufen zu retten und Tonight with Katherine Newbury wieder auf die Erfolgsspur zu bringen.
 
Der Film will viel, schafft dadurch aber umso weniger
 
Das Thema ist großartig: Die Gleichberechtigung der Geschlechter. Für viele mag dies längst ein durchgekauter Bissen sein, doch in Late Night werden relevante und redenswerte Probleme thematisiert: Was passiert mit älteren Künstlerinnen in Hollywood? Ist es eine Lösung, dass nun „Quotenfrauen“ in öffentlichen Positionen arbeiten dürfen und Emanzipation vorheucheln, da ihr komplettes Team immer noch nur aus Männern besteht (wovon das Publikum natürlich nichts mitbekommt)? Der Film hätte viel Potenzial, diese Probleme aufzuarbeiten, verliert sie jedoch ziemlich schnell nach Beginn. Nach Einstellung der Quotenautorin Molly ist die Frage nach Emanzipation der Frauen im Showgeschäft vergessen. Jetzt ist ja eine da, die Erfolg hat, damit ist das Thema scheinbar abgehakt.
 
Nimm dich selbst nicht zu ernst
 
Den Erfolg hat Molly jedoch nicht mit intelligenten Witzen, sondern damit, Katherine Newbury zu ändern. Die schroffe, unnahbare, elegante Britin wird nun moderner, benutzt Social Media, lädt 20 Jährige blonde Youtube Stars in ihre Sendung und macht Witze über die Wechseljahre, lernt die Namen ihrer Autoren und lässt sich Strähnchen machen. Damit lässt sie sich zwar nicht auf den Fäkalhumor der männlichen Comedy Kollegen herab, bedient aber dennoch den Geschmack des Mainstream, den sie stellenweise im Film deutlich verachtet. Wäre es nicht viel interessanter gewesen, den „besonderen“ Humor, für den die Figur im Film steht, dem Mainstream nahe zu bringen, anstatt sie für das Massenpublikum zu verändern?
 
 
Reden ist Silber, Schweigen ist Gold
 
Es gibt unglaublich viele Dialoge in dem Film, es wird unendlich viel geschnattert. Dabei bleibt leider viel an der Oberfläche. Über das Seelenleben der Protagonisten erfährt man fast nichts. Momente, die Katherines oder Mollys innere Monologe zeigen sind selten. Deswegen fällt es beim Zuschauen schwer, die Charaktere nachvollziehen zu können. Warum ist diese Show so unendlich wichtig für Katherine? Wieso lässt Molly sich den rauen Ton ihrer Chefin gefallen? Was bedeutet Molly die Show? Wie sieht Mollys Leben außerhalb der Arbeit aus?
 
 
Fazit
 
Schauspielerisch ist der Film großartig, Emma Thompson spielt die Rolle der Empathie-losen Chefin mit Selbstzweifeln mit Bravur. Deswegen ist es schade, dass das Drehbuch (übrigens geschrieben von der Darstellerin der Molly (Mindy Kaling) ihr nicht mehr Chancen gegeben hat, ihr Talent zu zeigen. Der Film spannt dramaturgisch keinen Bogen. Dinge passieren, ohne sich aufzubauen, weshalb sie plötzlich und unrealistisch erscheinen.
 
Dramen, die geschehen, bleiben ohne Konsequenz – die auslösende Figur taucht im Film danach einfach unter. Zusammenfassend hätte sich der Film vielleicht zu Beginn entscheiden müssen: Möchte ich authentisch wirken und reale Probleme ansprechen, oder bin ich ein Hollywoodwerk, bei dem nur das Happy End zählt. So ist eine weichgespülte Mischung aus all dem rausgekommen, der die Ecken und Kanten fehlen.
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor:in: Katharina Mühl
  • Regie: Nisha Ganatra
  • Drehbuch: Mindy Kaling
  • Besetzung: Emma Thompson, Mindy Kaling