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Clouds - Disney+-Start: 16.10.2020

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Disney liefert wieder eine Premiere eines neuen Films auf seinem ...
 
... Streaming-Dienst Disney+. Aber wie viel neues bietet „Clouds“ eigentlich?
 
And we’ll go up, up, up, …
 
Zach geht auf die High School. Er hat eine beste Freundin, mit der er Musik macht. Er ist verliebt in eine hübsche Mitschülerin. Aber auch nach mehr als zwanzig Runden Chemotherapie hat er noch immer Knochenkrebs. Als er erfährt, dass er nur noch wenige Monate zu leben hat, ist das trotzdem ein Schock für ihn, seine Familie und seine Freunde …
 
Die deutsche Sprache kennt das schöne Wort „abgeschmackt“. Es wird kaum noch verwendet. Selbst der Duden bezeichnet es als „gehoben veraltet“. Unter „Bedeutung“ findet man dort dann „dem Empfinden zuwider, fade, geistlos, töricht, albern“. Hier passt dieses „gehoben veraltete“ Adjektiv aber ganz wunderbar. Denn vieles in „Clouds“ läuft dem Empfinden jedes Menschen, der sich ein bisschen mit Film auskennt, zuwider. Vieles darin ist fade. Einiges ist geistlos. Und an manchen Stellen wird der Film dann töricht und albern.
 
Ja gut, wir wissen es. „Clouds“ ist „inspired by a true story“. Aber bloß weil eine Geschichte „wahr“ ist, ist sie nicht automatisch auch „gut“. Die Geschichte, die mir meine Nachbarin neulich über unser Gartentor erzählt hat, war sicher „wahr“ (oder von der Wahrheit inspiriert). Davon wurde die Geschichte aber nicht „gut“. Dass die alte Dame keine Geschichten erzählen kann, hat auch nicht geholfen. Das hat meine Nachbarin übrigens mit Drehbuchautorin Kara Holden und Regisseur Justin Baldoni gemein.
 
Holden hat bisher einige Drehbücher zu Filmen geschrieben, die niemand gesehen hat, der schon volljährig ist. Baldoni hat bisher einige Folgen einer Doku-Reihe über Todkranke inszeniert. Sein bisher einziger Spielfilm, „Drei Schritte zu Dir“ handelt von zwei schwerkranken, jungen Menschen. Vielleicht meint Baldoni mittlerweile, eine schwere Krankheit sei für sich bereits dramatisch und würde die Filmemacher von der Last befreien, eigene Einfälle zu liefern. Und so läuft es dem Empfinden zuwider, wenn die Macher ein Filmklischee an das andere reihen ohne je einen richtigen Film zu zeigen.
 
So darf Zach am Anfang des Films komplett überflüssig aus dem Off sprechen. Es gibt ein hässliches Entlein, das tatsächlich bloß eine bildhübsche junge Frau mit unvorteilhafter Frisur ist. Es gibt ein Konzert während einer Chemotherapie-Sitzung, das keinen der anderen Patienten stört. Der Held erklärt dann auch, es gehe ihm gut, kurz bevor er husten und operiert werden muss. Das Verstreichen der Lebenszeit wird durch eine tickende Wanduhr verdeutlicht, wie sie im 21. Jahrhundert kein Teenager in seinem Zimmer hat. Zach darf eine Ausfahrt in seinem Traumauto unternehmen. Und jeder flippt aus, wenn Zachs Song im Radio gespielt wird, obwohl er davor bereits mehrmals im Fernsehen war.
 
 
Manchmal präsentieren die Macher auch Klischees, für die sie in ihrem Film gar keinen rechten Platz haben. Etwa wenn eine Krise in der Ehe der Eltern angesprochen, aber dann leider wieder vergessen wird. In einer der merkwürdigsten Sequenzen des Films schleppt die Mutter Zach und den Rest der Familie nach Lourdes. Weil die Reise in den folgenden 90 Minuten nie wieder erwähnt wird, steht diese Episode komplett isoliert da und wirkt wie aus einem ganz anderen Film. In diesem anderen Film hätte es um Hoffnung und Enttäuschung gehen können. In diesem Film hätten echte Charaktere echte Entwicklungen durchmachen und echte Emotionen zeigen können. Das hätte ein wirklich interessanter Film werden können.
 
Go up in the clouds, because the view is a little nicer …
 
Aber „Clouds“ ist nicht dieser Film. Er ist ein „inspired by a true story“-Krebsfilm auf Disney+. Und deshalb ist es nicht bloß fade und geistlos, sondern teilweise sogar töricht und albern, wie sauber dieser Film ist. In einem Land ohne gesetzliche Krankenversicherung, hat Zachs Familie keine Geldsorgen. Auch dem Rest der Stadt geht es wunderbar. Das hat hoffentlich nichts damit zu tun, dass es auf Zachs High School nur eine einzige schwarze Schülerin gibt. Die ganze High School ist so sauber, dass man dort traurig auf dem Boden einer Schülertoilette sitzen kann. Ich war mit 18 auch öfter mal traurig. Aber bevor ich mich in der ekligen Toilette meiner damaligen Schule auf den Boden gesetzt hätte, wäre ich wohl eher aus dem Fenster gesprungen. Das wäre hygienisch sinnvoller gewesen.
 
Dieser Film ist so hygienisch sauber, dass Zach seinen High School-Schwarm zwar über alles lieben, mit ihr aber nicht einmal fummeln darf. Zuerst wird das Petting unterbrochen, damit ein furchtbar öder Song angespielt werden kann. Dann packt den jungen Mann die Panik und er ergreift die Flucht. Wenn Zach sich dann mit seinem Sweetheart aussöhnt, streicheln sie gemeinsam Pferde. Ich kann bloß hoffen, hier weicht der Film am weitesten von der realen Vorlage ab. Der Gedanke, dass der echte Zach Sobiech vor seinem Tod nie mit seiner Freundin rumgemacht hat, ist das traurigste und ergreifendste an dieser ansonsten langweiligen Geschichte.
 
Der junge Fin Argus („Agents of Shield“) spielt die klischeehafte, uninspirierte Rolle des todkranken Zach klischeehaft und uninspiriert. Ähnlich agieren auch alle anderen Darsteller in diesem Film. Das gilt leider auch für Neve Campbell. Diese Darstellerin war sehr gut in den Filmen der „Scream“-Reihe, hervorragend in „Wild Things“ und grandios in „Der Fall Mona“. Das alles ist aber lange her. In der Rolle von Zachs Mutter spricht sie fließend Klischee und spielt ihre Rolle so, wie sie auch jedes andere weibliche Mitglied der Schauspielergewerkschaft gespielt hätte.
 
 
Fazit
 
Ein 0815-Drama, das nie dramatisch wird. Rein gar nichts an diesem Film ist neu, aber ganz vieles daran ist abgeschmackt.
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: Justin Baldoni
  • Drehbuch: Kara Holden
  • Besetzung: Fin Argus, Sabrina Carpenter
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