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Der Boandlkramer und die ewige Liebe - Amazon-Start: 14.05.2021

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Filme mit Heimatbezug, die gute, zeitgemäße Unterhaltung bieten, ...
 
... sind selten geworden. Umso erfreulicher ist es, dass es Joseph Vilsmaier dank eines hervorragenden Ensembles erneut geschafft hat, diese Kombination in einem Kinofilm zu verwirklichen. Und wenn dabei sogar Michael Herbig, sowie Hape Kerkeling mit von der Partie sind, bleibt garantiert kein Auge trocken.
 
Auch der Tod kann sich verlieben
 
So etwas ist dem Boandlkramer (Michael Bully Herbig) noch nie passiert: Zum ersten Mal, seit tausenden von Jahren, wird er von Amors Pfeil getroffen. Als er nämlich die Gefi (Hannah Herzsprung), die Mutter vom kleinen Maxl (Josef Staber), erblickt, ist es um ihn geschehen! Der Tod hat sich unsterblich verliebt!
 
Allerdings lässt sich der liebestrunkene Boandlkramer daraufhin auf einen mehr oder weniger klugen Deal mit dem Teufel (Hape Kerkeling) ein und bringt dadurch nicht nur den göttlichen Plan durcheinander. Es droht sogar das absolute Chaos!
 
Prominent besetzt
 
Für dieses Spektakel und Sequel zu DIE GESCHICHTE VOM BRANDNER KASPAR (2008) konnte Vilsmaier abermals eine hochkarätige Besetzung und viele bekannte Charaktere aus dem ersten Teil verpflichten. Allen voran Michael Bully Herbig und, man staune, sogar Hape Kerkeling. Letzterer hatte sich nämlich eigentlich zu seinem 50. Geburtstag im Jahr 2014 von der großen Kino- und TV-Bühne verabschiedet. Die Verpflichtung des Entertainers hat sich jedenfalls gelohnt! Auf sein Comeback darf man sich nämlich wirklich freuen!
 
Denn einen besseren Teufel hätte Josef Vilsmaier nicht finden können. Charmant und spitzbübisch verkörpert Kerkeling den Höllenfürst mit einer Lache, die garantiert jedem im Gedächtnis bleibt. Bully´s Kunst hingegen war es bei diesem Film den Bondlkramer erneut witzig, aber nicht übertrieben zu verkörpern. Etwas, dass ihm perfekt gelungen ist. Und dem Film damit viele überraschend komische Momente beschert. Vilsmaier hat es also durchaus verstanden, die Mimik von Bully so einzusetzen, dass diese nicht nervig wirkt.
 
Freuen dürfen wir uns aber auch auf Hannah Herzsprung, die ihren tragenden Charakter mit viel Hingabe zum Leben erweckt. Warmherzig spielt Sie die Mutter des kleinen Maxl, der dem Tod nur ganz knapp entkommen konnte. Sowie als Love-Interest in den Fokus des Boandlkramer rückt. Dabei merkt man der Schauspielerin an, dass sie Spass beim Dreh hatte. So viel Spielfreude hat man bei der Tochter des Schauspielers Bernd Herzsprung und der Modedesignerin Barbara Engel bis dato selten gesehen.
 
In der Rolle ihres Sohnes Maxl ist Shooting-Star Josef Staber zu sehen. Ein absoluter Glücksgriff. Sein leichtes, unbekümmertes Spiel wird bei jung und alt garantiert für Begeisterung sorgen. Denn Maxl ist spitzbübisch, bodenständig und hat auch noch das Herz am rechten Fleck! Also Eigenschaften, die sich wohl jeder von seinem Sohnemann wünscht. Zuseher:innen, die der bayerischen Sprache nicht mächtig sind dürften allerdings Schwierigkeiten haben ihn zu verstehen. Sein Dialekt im Film ist nämlich ziemlich herb angelegt.
 
 
Ebenso wie bei Sebastian Bezzel, bekannt aus den Eberhofer - Krimis. Er ist im Film erneut als spitzbübischer Fonse Sonnenstatter zu sehen. Für Bezzel war die Mitwirkung in den beiden Brandner Kaspar - Filmen aber nicht die einzige Zusammenarbeit mit Vilsmaier. Der beliebte Volksschauspieler hatte unter dessen Regie nämlich auch in der biografischen Verfilmung NANGA PARBAT (2008) mitgewirkt. Eine lehrreiche Erfahrung, die ganz sicher zu seinen Erfolgen als bayerischer Publikumsliebling beigetragen hat. Denn wenn jemand das Gefühl von Heimat glaubwürdig vermitteln konnte, dann war das Joseph Vilsmaier.
 
Handwerk bleibt Handwerk
 
Etwas, das auch bei DER BOANDLKRAMER UND DIE EWIGE LIEBE extrem positiv auffällt. Alle Dialoge und Handlungsstränge sind viel bodenständiger und viel weniger übertrieben umgesetzt, als zum Beispiel bei den Eberhofer - Filmen. In einem Setting, dem man die Liebe des Regisseurs zum Detail anmerkt. Ebenso wie bei der Bildsprache des Films. Die Tatsache, dass Vilsmaier vor seiner Tätigkeit als Regisseur als Kameramann angefangen hat, sieht man seinen Werken durchaus an.
 
Nur leider konnte Joseph Vilsmaier die Dreharbeiten zu DER BOANDLKRAMER UND DIE EWIGE LIEBE zwar vollenden, das perfekte Zusammenspiel seines Ensembles auf der Leinwand allerdings nicht mehr miterleben. Vilsmaier ist am 11. Februar 2020 im Alter von 81 Jahren verstorben.
 
 
Fazit
 
Filmzeit ist Lebenszeit! Und für Joseph Vilsmaier´s leider letztem Film kann diese getrost geopfert werden. Denn derart gute Unterhaltung vermisst man heutzutage im Kino oft schmerzlich. Auch wenn daran aufgrund des herben Dialektes wohl mal wieder eher die Bayern ihre wahre Freude haben werden.
 
 
Link zum Film >> dplus b
 
 

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Weitere Informationen

  • Autor/in: Max Wrede
  • Regisseur: Joseph Vilsmaier
  • Drehbuch: Marcus H. Rosenmüller
  • Besetzung: Hannah Herzsprung, Michael Herbig