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Dog: Das Glück hat vier Pfoten - Kinostart: 19.05.2022

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US-Schauspieler Channing Tatum hat zum ersten Mal Regie geführt ...
 
... und sich gleich selbst in der Hauptrolle inszeniert. Herausgekommen ist ein Roadmovie, das ausgetretene Pfade häufiger hätte verlassen können.
 
Ungeliebter Spezialauftrag
 
Wenn Schauspieler auf dem Regiestuhl Platz nehmen, ist unter Kritikern oftmals Skepsis angesagt. XY reicht es nicht, vor der Kamera zu stehen, einer Rolle Profil zu verleihen, sondern will alle kreativen Fäden in der Hand halten und sich in seinem eigenen Ego sonnen. Diese und ähnliche Vorbehalte sind weitverbreitet. Und in der Tat fragt man sich bei manchen Darstellern, warum genau sie sich berufen fühlten, die Gesamtleitung für einen Film zu übernehmen. Eitelkeit und Heischen nach Anerkennung statt aufregender künstlerischer Visionen scheinen in einigen Fällen die wichtigsten Antriebsfedern gewesen zu sein.
 
Auch wer jahrzehntelang Figuren in Kino und TV verkörpert hat, ist nicht automatisch ein fähiger Regisseur mit gutem Blick für ausdrucksstarke Bilder. Andererseits sollte man Akteure, die hinter die Kamera wechseln, nicht von Vorneherein belächeln. Dafür gibt es dann doch genügend positive Beispiele, die viel Verständnis für das Medium und das Geschichtenerzählen mitbringen. In Deutschland überzeugte zuletzt etwa Schauspielstar Moritz Bleibtreu mit seinem Debütfilm „Cortex“, einem rätselhaften, atmosphärisch dichten Psychothriller nach eigener Drehbuchvorlage, in dem er zudem die Hauptrolle bekleidete.
 
US-Kollege Channing Tatum tut es Bleibtreu nun gleich und legt mit „Dog – Das Glück hat vier Pfoten“ seine erste Regiearbeit vor, die er zusammen mit Reid Carolin, einem langjährigen Weggefährten, inszenierte. Zu sehen ist der „Magic Mike“-Darsteller hier als traumatisierter Ex-Soldat Jackson Briggs, der verzweifelt darum kämpft, wieder in den Militärdienst zurückzukehren.
 
Nach dem Tod eines früheren Kameraden wird ihm plötzlich ein Spezialauftrag angeboten, über den er zunächst alles andere als begeistert ist. In seinem Wagen soll er die ebenso verängstigte wie aggressive Hündin Lulu, die mit dem Toten einst diverse Missionen in Kampfgebieten absolviert hat, zur Beerdigung ihres Herrchens und anschließend zur Einschläferung auf einen Armeestützpunkt kutschieren. Seine Frustration über eine fehlende neue Perspektive wischt Briggs beiseite und macht sich mit dem Tier auf den Weg entlang der Pazifikküste.
 
Klassische Genremechanik
 
Inspiriert wurde die Handlung von einem letzten Roadtrip Tatums mit seiner eigenen, zu diesem Zeitpunkt sterbenskranken Hündin. Jackson und Lulu brechen zwar zu seiner Trauerfeier auf. Stärker als ums Abschiednehmen geht es in „Dog – Das Glück hat vier Pfoten“ aber um die – natürlich erwartbare – Annäherung zweier verletzter Seelen, die anfangs ihre Schwierigkeiten miteinander haben. Dass Tatum weiß, wie man mit Vierbeinern umgeht, merkt man dem Film in jeder Minute an. Das Zusammenspiel mit dem Tier gehört ohne Frage zu den Stärken und sorgt für einige ehrlich bewegende Momente. Spannend ist auch, dass das von Reid Carolin verfasste Drehbuch versucht, einen durchaus kritischen Blick auf das Soldatenbild und den Umgang mit schwer gezeichneten Kriegsheimkehrern zu werfen.
 
 
Die Figurenkonstellation – beide Protagonisten tragen schlimme Erlebnisse mit sich herum und sind auf dem Abstellgleis gelandet – hätte der Geschichte echte Ecken und Kanten geben können. Leider fehlt den Machern am Ende allerdings der Mut, sich ernsthaft mit den schmerzhaften Aspekte auseinanderzusetzen. Jacksons Anfälle, die durch seine posttraumatische Belastungsstörung ausgelöst werden, bleiben Randnotizen. Und ein ums andere Mal wird es arg plakativ, wenn der Film darauf zu sprechen kommt, dass viele Veteranen Schwierigkeiten haben, wieder einen Platz in der Gesellschaft zu finden.
 
Spannende Ansätze sind da. Meistens halten sich Tatum und Reid aber lieber an altbekannte Roadmovie-Formeln: skurrile Begegnungen, auf Komik abzielende Verwicklungen, pittoreske Landschaftsaufnahmen und eingängige Musikstücke. „Dog – Das Glück hat vier Pfoten“ wirkt insgesamt etwas zu schematisch und will mitunter auf arg platte Weise Emotionen erzeugen. Briggs‘ familiärer Hintergrund, der im Vorgehen thematisiert wird, hinterlässt zum Beispiel so wenig Eindruck, dass man ihn eigentlich hätte streichen können. Mehr Tiefe erlangt der Ex-Soldat dadurch jedenfalls nicht.
 
 
Fazit
 
In seinem Regiedebüt deutet Channing Tatum einige interessante Abzweigungen vom üblichen Roadmovie-Muster an. Der deutsche Untertitel drückt aber sehr gut aus, auf was man sich dann doch die meiste Zeit einstellen muss: konventionelle Feel-Good-Unterhaltung mit einigen Ausflügen in seichte Gefilde.
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor/in: Christopher Diekhaus
  • Regisseur: Channing Tatum
  • Drehbuch: Reid Carolin
  • Besetzung: Channing Tatum, Jane Adams