Marc Forsters Film ist gerade in heutiger Zeit wieder wichtig.
Weil man nicht vergessen darf, was einmal passiert, und nicht zulassen darf, dass es wieder passiert. Entsprechend kommt „White Bird“ mit einer klaren Botschaft daher – für die Menschlichkeit, für das Leben, für die Hoffnung und gegen die Dunkelheit. Ein Film, der berührt.
Courage
Julian ist der Schule verwiesen worden, weil er einem behinderten Jungen gegenüber grausam war. Die Lektion, die er daraus gelernt hat, ist, dass er sich aus allem heraushält. Als er das seiner Großmutter erzählt, kann die es nicht fassen. Denn etwas anderes hätte er daraus lernen müssen.
Darum erzählt sie ihm von ihrer Kindheit in Frankreich, in die Schüler den behinderten Julien hänselten, aber er es war, der sie rettete, als die Nazis in ihre Schule kamen, um alle jüdischen Kinder abzuholen. Julien brachte sie zu sich nach Haus und versteckte sie mit Hilfe seiner Eltern, wohlwissend, dass sie alle sterben würden, wenn herauskommt, dass sie eine Jüdin verstecken.
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Eine Fortsetzung
Es ist auf den ersten Blick nicht klar, aber „White Bird“ ist eine Fortsetzung, und zwar des Films „Wunder“ aus dem Jahr 2017. Schon dort spielte Bryce Gheisar den jungen Julian, der den behinderten Auggie hänselte und quälte. Nun liegt der Fokus auf ihm, aber nur in einer Rahmenhandlung, denn die eigentliche Geschichte ist die seiner Großmutter Sara und des Jungen, der sie gerettet hat. Dabei wird ein Zeitraum von etwa zwei Jahren abgedeckt, in dem die beiden Freunde werden und eine zarte Liebe entsteht, die jedoch unter keinem guten Stern steht.
Dass der Name „Julien“ ihr so viel bedeutet, ihr Sohn das wusste und seinen Sohn Julian nach ihm benannt hat, ist Hinweis genug, wohin die Reise bei diesem Film führt. Die Tragik ist Teil seiner DNS, weil man eine solche Geschichte nicht erzählen kann, ohne nicht auch auf die Hässlichkeit der Welt einzugehen. Und doch ist der Film auch spannend, weil man mitfiebert und mitzittert, obwohl man weiß, dass Sara überleben wird.
Güte zu zeigen
Vieles vergisst man im Leben, sagt die Großmutter ihrem Enkel, aber an Güte erinnert man sich immer. Sie spricht es nicht aus, aber an Grausamkeit auch. Davon hat der junge Julien im Leben genug abbekommen, vielleicht hat ihn das zu einem Menschen gemacht, der gut ist. Vielleicht hat ihn das aber auch mit einem besonderen Gespür dafür ausgestattet, zu verstehen, wie es Sara geht. Er ist der Hoffnungsschimmer in finsterer Nacht, das Licht in der Dunkelheit, und das in Zeiten, die immer düsterer werden, je enger der Griff der Nazis wird.
Der Film mahnt, den Anfängen zu trotzen. Er warnt, auf Veränderungen zu achten. Und er legt nahe, sofort zu handeln, wenn es an der Zeit ist, die Sachen zu packen. Diesen Moment übersehen Saras Eltern, und das Schicksal nimmt seinen Lauf. Marc Forster hat das eindringlich inszeniert, in durchaus schönen Bildern, aber er erzählt von einer Zeit, in der zu viele Menschen sich dem Hass hingaben - exemplarisch wird dies anhand eines Klassenkameraden gezeigt, der nicht nur Julien misshandelt, sondern willfähriger Erfüllungsgehilfe der Besatzer wird. Weil deren Gedankengut auch das seine ist, weil das Böse sich entfalten kann, wenn gute Menschen nichts tun.
Das macht „White Bird“ so prägnant, weil er nun in einer Zeit erscheint, in der nicht oft genug davor gewarnt werden kann, was passieren kann, wenn die Grundfesten der Demokratie erschüttert werden.
Fazit
„White Bird“ ist ein schöner, aber auch ein trauriger Film, und zugleich einer, der hoffnungsvoll ist, weil er eine Veränderung in Saras Enkel zeigt. Weil er klarmacht, dass das Leben nicht eine Einbahnstraße ist, sondern man innehalte und sich ändern kann. Weil das Gute letztlich immer triumphiert, egal, wie groß das Unheil ist, das schlechte Menschen über die Welt bringen. „White Bird“ ist ein Film über den Mut, auch in Zeiten gütig zu sein, in denen Güte einen das Leben kosten kann.
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