deensvtr

Dalida

Artikel bewerten
(26 Stimmen)
Iolanda Cristina Gigliotti war eine in Ägypten geborene, italienische Sängerin, ...
 
die in Frankreich unter dem Namen „Dalida“ berühmt wurde. Sie war eine starke, moderne Frau und doch immer auch verletzlich. Sie traf ihre eigenen, oft unkonventionellen Entscheidungen und ließ ihr Leben doch allzu oft von den Männern darin bestimmen. Der Film „Dalida“ der Regisseurin Lisa Azuelos versucht nun das abenteuerliche Leben der Sängerin zu zeigen. Das gelingt vor allem dank der fantastischen Hauptdarstellerin Sveva Alviti.
 
Wie inszeniert man ein Leben?
 
Dalidas Leben würde Stoff für mehrere Filme bieten. Dieser Film beginnt 1967 mit ihrem ersten Selbstmordversuch. Drehbuch und Inszenierung erzählen das Leben der Künstlerin sehr uneinheitlich. Die Eröffnungssequenz dauert 4 Minuten und zeigt bloß wie Dalida verreist und in einem Hotel eincheckt. Im Gegensatz dazu dauert die Sequenz in der sie und ihr Entdecker, Lucien Morisse, sich ineinander verlieben weniger als zwei Minuten.
 
In einer originellen Szene benutzt Regisseurin und Drehbuchautorin Lisa Azuelos einen Dreifachspiegel um die Ambivalenz der Heldin zu zeigen. Dann verteilt sie die einzelnen Lebensabschnitte weiter sehr ungleichmäßig über die Laufzeit des Films. Von der Beziehung zu dem Sänger Luigi Tenco wird nur die verhängnisvolle Teilnahme am Festival in San Remo gezeigt. Andererseits zieht sich die Beziehung zu Richard Chanfray fast über die gesamte zweite Hälfte des Films. Drehbuch und Regie machen es uns teilweise nicht leicht, Dalida sympathisch zu finden.
 
Die Beziehung zu dem sehr viel jüngeren Studenten Lucio hätte eine Episode werden können, in der eine moderne Frau selbst über ihre Beziehung und ihre Sexualität bestimmt. Leider funktionieren diese Szenen nicht richtig. Wenn Dalida sich den jungen Mann von einem Mitarbeiter zuführen lässt, wirkt das irritierend. Wenn sie dem Studenten später zum Abschied einen Scheck vom gleichen Mitarbeiter überbringen lässt, ist das nur noch unpassend.
 
Ein Leben voll Musik
 
In einem Film über das Leben einer Musikerin darf man auf den Soundtrack gespannt sein. Die Musikauswahl in „Dalida“ ist selten überraschend. Einen Selbstmord mit Dalidas französischer Version von „Bang Bang (My Baby shot me down)“ zu unterlegen ist zumindest fragwürdig. Der Einsatz von „Il venait d’avoir 18 ans“ (zu Deutsch „Er war gerade 18 Jahr“) während der Liebesszenen mit einem 18-jährigen Studenten ist sogar anachronistisch, weil das Lied erst einige Jahre nach der Affäre aufgenommen wurde.
 
 
Dalidas Männer
 
Jean-Paul Rouve durfte schon in „La vie en rose“ Erfahrung in einem Biopic sammeln. Hier spielt er Dalidas Entdecker und ersten Ehemann Lucien Morisse. Wenn wir als Zuseher nicht ganz nachvollziehen können, warum die junge Dalida ihn unbedingt heiraten will, ist das nicht die Schuld des Schauspielers.
 
Wegen des Malers Jean Sobieski verlässt Dalida ihren Mann nur einen Monat nach der Hochzeit und sorgt damit für einen Skandal. Das Drehbuch gibt dem jungen Niels Schneider in dieser Rolle nichts zu tun. Der Musiker Luigi Tenco begeht Selbstmord, nachdem er beim sich mit seinem Lied nicht für das Finale beim Festival in San Remo qualifizieren kann. Alessandro Borghi spielt ihn mit unverhohlener Verachtung für sein Publikum. So wie er sein Lied im Film vorträgt, ist es kein Wunder, wenn er verliert. Sein anschließender Selbstmord berührt uns daher wenig. Brenno Placido spielt den 18-jährigen Studenten Lucio sehr unbedarft. Nicolas Duvauchelle spielt Dalidas letzten Ehemann Richard Chanfray. Im Film wird er schnell vom eingebildeten Schaumschläger zum eifersüchtigen Würstchen.
 
Sveva Alviti IST Dalida
 
Die große Überraschung des Films ist Sveva Alviti. Sie sieht nicht nur aus wie Dalida. Sie allein vermittelt die Ambivalenz und Zerrissenheit dieser besonderen Künstlerin. Alviti spielt eine Frau, die genau weiß was sie will und dann doch zutiefst verwirrt falsche Entscheidungen trifft. Eine selbstständige Frau, die Geborgenheit bei den falschen Männern sucht. Die 31-jährige Schauspielerin spielt Dalida mit Anfang Zwanzig, in ihren Dreißigern, Vierzigern und mit über 50. Allerdings lässt man die Hauptfigur nicht bloß mit Make-up künstlich altern. Sveva Alviti stellt eine Frau in ihren verschiedenen Lebensabschnitten dar, indem sie diese einfach nur spielt. Das ist große Schauspielkunst. Das macht den Film absolut sehenswert.
 
 
Fazit
 
Bei Künstlerbiografien stellen sich immer zwei Fragen: Wird der Film dem Künstler gerecht? Und ist der Film auch interessant, wenn man mit dem Künstler vorher nicht vertraut war?
 
„Dalida“ ist die Geschichte einer faszinierenden Künstlerin. Vereinzelte Schwächen des Drehbuchs und der Regie werden von der großartigen Hauptdarstellerin mehr als ausgeglichen. Wer die Sängerin vorher nicht gekannt hat, wird aber vielleicht Mühe mit dem Film haben.
 
 
Unterstütze CinePreview.DE:
                                                                                                                                        
 
 

Ähnliche Kritiken

Der Fall Richard Jewell - Kinostart: 25.06.2020 Clint Eastwood ist einer der wenigen Erfolgsregisseure die ...   ... niemals ein Drehbuch verfasst oder bearbeitet haben. Seit bald 50 Jahren wählt er die Drehbücher für seine Filme aus und verfilmt sie dann einfach. Bisher hat er meist gut gewählt …   Yo...
Bailey - Ein Freund fürs Leben Rund um Lasse Hallströms neuen Film „Bailey – Ein Freund fürs Leben“ hat sich eine Kontroverse entsponnen, die den Blick trübt für das, ....   ... was dieser Film ist. Denn Hallström hat einen unglaublich positiven, sehr herzlichen, die Seele und ...
Silence Fast 20 Jahre lang befand sich die Verfilmung von Shusako Endos Roman in der Entwicklung. Immer wieder wollte ...   ... Martin Scorsese den Stoff als seinen nächsten Film angehen, die Finanzierung ließ sich jedoch niemals sichern. Weil „Silence“ nicht unbedingt d...
Dogman - Kinostart: 18.10.2018 Dogman ist ein Film, der große Erwartungen weckt: Inszeniert vom bereits ...   ... mehrfach ausgezeichneten Regisseur Matteo Garrone (Gomorrha, Das Märchen der Märchen) brachte das Drama auch dem Schauspieler Marcello Fonte seine ersten Preise, unter anderem die goldene Palm...

Weitere Informationen

  • Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: Lisa Azuelos
  • Drehbuch: Lisa Azuelos
  • Besetzung: Sveva Alviti, Jean‑Paul Rouve
ij5 hnews
Das fünfte Abenteuer des berühmten Archäologen, genannt Indiana Jones, ist laut den Branchenblättern Variety und Hollywood Reporter erneut verschoben…
hnews corona
Geschlossene Kinosäle, abgebrochene Drehs und Stars in Quarantäne. In Hollywood sorgt das Coronavirus für Chaos und könnte weitreichende…
hnews be bond25
Die fünffache GRAMMY®-Gewinnerin Billie Eilish hat heute ihren neuesten Song „No Time To Die“, den offiziellen Titelsong des kommenden…
hnews oscars020
In der Nacht vom 09. auf den 10. Februar fand 2020 etwas früher als sonst die Verleihung der Oscars in Los Angeles statt. Der südkoreanischen Film…
hnews gg2020
Am 06. Januar 2020 fand in Los Angeles die 77. Verleihung der Golden Globes statt. Moderiert wurde die Veranstaltung bereits zum fünften Mal von…
hnews dpstart
Disney+, der mit Spannung erwartete Streaming-Service der Walt Disney Company, ist am 12. Novenber 2019 in den USA, in Kanada und den Niederlanden…
hnews gman wsmith
Am 25. September 2019 feierte Superstar Will Smith vor der grandiosen Kulisse des Budapester Burgpalasts nicht nur seinen 51. Geburtstag. Anlass für…
d23019 mag header
Am 24. und 25. August 2019 präsentierten die Walt Disney Studios bei der D23 Expo 2019 im kalifornischen Anaheim den nahezu 7000 Fans Star-gespickte…
hnews 007ds
Die James Bond Produzenten, Michael G. Wilson und Barbara Broccoli, haben heute den offiziellen Titel des 25. James Bond Abenteuers NO TIME TO DIE…
hnews marvel
Neuigkeiten aus dem Marvel Cinematic Universe: Der Siegeszug von AVENGERS: ENDGAME an den weltweiten Kinokassen ist bis heute nicht aufzuhalten. Am…
hbss hnews
Mit „Rocky“ und „Rambo“ avancierte er zur Actionlegende und auch vier Jahrzehnte nach seinem Durchbruch gehört er noch lange nicht zum alten Eisen:…
wss hnews
Das erste Filmfoto von Oscar®-Gewinner Steven Spielbergs WEST SIDE STORY wurde veröffentlicht. Die Adaption des Original Broadway Musicals WEST SIDE…
traffikant hnews
"Der Trafikant": Bruno Ganz' letzter Film feiert seine Los Angeles Premiere auf dem Jüdischen Filmfestival Es sollte seine letzte Rolle werden: Bruno…
hnews pa bond25
Die James-Bond-Produzenten, Michael G. Wilson und Barbara Broccoli, haben am 25. April 2019 angekündigt, dass die Dreharbeiten zum 25. offiziellen…
swc hnews
Greg Pak und Phil Noto werden ab Juli die monatliche Comic-Kernserie übernehmen. Auf der diesjährigen Star Wars Celebration wurden Details zu der…