deensvtr

Zu guter Letzt

Artikel bewerten
(5 Stimmen)
Hollywood-Grande-Dame Shirley Maclaine (“Das Appartment”) spielt die kontrollsüchtige, dauerhaft schlecht...
 
... gelaunte Harriet Lauler in Mark Pellingtons Dramedy “Zu guter Letzt”. “Es gibt vier Elemente, die nötig sind, um einen großartigen Nachruf zu verfassen:
 
1. Der Verstorbene sollte von seiner Familie geliebt werden.
2. Der Verstorbene sollte von seinen Mitarbeitern bewundert werden.
3. Der Verstorbene sollte das Leben eines Anderen positiv beeinflusst haben (und wenn dieser Andere einer Minderheit angehört oder ein Krüppel ist, umso besser…)
4. Wildcard - etwas Besonderes im Leben des Verstorbenen.”
 
Harriet Lauler hat eine ganz genau Vorstellung davon, was im Falle ihres Ablebens in ihrem Nachruf stehen sollte. Dumm nur, dass sie keinen dieser Punkte erfüllen kann. Das sollte sich ändern!
 
In den ersten paar Minuten zeigt uns Pellington, dass seine Protagonistin eine einsame alte Dame ist, die in ihrem riesigen Anwesen statt Freunde und Familie nur Angestellte um sich herum hat. Diese werden von ihrer Kontrollsucht terrorisiert: Die Köchin darf nicht kochen, der Gärtner darf nicht die Hecke schneiden. Harriet Lauler macht es lieber selber, schließlich sollte alles perfekt sein.
 
Eines Tages liest sie in der Lokalzeitung “Boston Gazette” einen großartig geschriebenen Nachruf, woraufhin sie höchstpersönlich die junge Autorin Anne (Amanda Seyfried) aufsucht und ihr unmissverständlich klarmacht, dass sie ihren Nachruf gefälligst in den nächsten Tagen verfassen soll.
 
Shirley Maclaine spielt “menschliche schwarze Wolke”
 
“Mich hat noch nie etwas überrascht.” Der Gedanke ihren Nachruf dem Zufall zu überlassen erscheint ihr vollkommen unvernünftig. So übergibt die herrische alte Dame eine Liste mit hunderten von alphabetisch geordneten Namen, die Anne abtelefonieren sollte. Anne wird schnell klar, dass niemand etwas Gutes über Harriet zu sagen hat, selbst ihr Priester “hasste sie unglaublich”. Wie soll man einen Nachruf verfassen, wenn Harriet sogar von ihrer Friseurin eine “menschliche schwarze Wolke” genannt wird?!
 
“Zu guter Letzt” handelt von einem alten Menschen, der sein Leben Revue passieren lässt und merkt, dass nicht viel Gutes drinsteckte. Ein letzter Versuch, vor dem unausweichlichen Tod, sollte das Leben auf die richtige Bahn bringen - mit Hilfe eines liebenswürdigen Menschen, der alles umkrempelt. Aus Unsympath wird Gutmensch - diese Formel für ein klassisches Feel-Good-Movie ist nicht gerade neu.
 
Vorhersehbar, wie der Wetterbericht in der Antarktis
 
“Zu guter Letzt” erzählt eine Geschichte, die ohne nennenswerte Höhepunkte auskommt. Die Handlung ist in etwa so vorhersehbar, wie der Wetterbericht in der Antarktis. Es passiert rein gar nichts, was den Zuschauer überraschen könnte. Der “Vorsicht Spoiler”-Stempel ist vollkommen unnötig, wenn an dieser Stelle verraten wird, dass aus der alten Grantlerin Harriet Lauler eine anständige, freundliche alte Dame wird.
 
 
Doch trotz des schwachen Drehbuches und der uninspirierten Inszenierung von “Arlington Road”-Regisseur Mark Pellington muss man eines gestehen: Oscar-Gewinnerin und alter Hollywood-Hase Shirley Maclaine macht ihre Sache in “Zu guter Letzt” ganz wunderbar. Nur schade, dass alles um sie herum in einem Brei aus Wohlfühl-Weichspüler untergeht. Amanda Seyfried versucht ihr Bestes aus ihrem gähnend langweiligen Charakter der jungen Autorin auf Selbstfindungstrip etwas Interessantes rauszuholen. Doch es mag ihr nicht gelingen. Anne bleibt genau so fad wie ihr Umfeld aus Vater, Freund und Arbeitskollegen.
 
Auch das Einstreuen eines Side-Plots über die junge Brenda aus einem Heim für Risikokinder, derer Harriet sich annimmt, kann “Zu guter Letzt” nicht retten. Lediglich die Szene über das Aufeinandertreffen zwischen Harriet und ihrer zerstrittenen Tochter Elisabeth (Anne Heche) sorgt für eine spannende Szene mit einer Prise bissigem Humor.
 
 
Fazit
 
Wäre “Zu guter Letzt” ein Mensch, würde ein wichtiges Element fehlen um einen großartigen Nachruf zu verfassen: Die Wildcard. Der Tragikomödie fehlt schlicht und einfach das Besondere, dieses gewisse Etwas. Filme dieser Art gab es in der Filmgeschichte zur Genüge und durchaus besser. Kann man anschauen, muss man nicht.
 
 
Unterstütze CinePreview.DE:
                                                                                                                                        
 
 

Ähnliche Kritiken

Zombieland: Doppelt hält besser - Kinostart: 07.11.2019 Zombies sind schwer umzubringen, weil sie weder tot noch lebendig sind.   In der Fortsetzung von „Zombieland“ sind sie nun bereits seit 10 Jahren untot, haben sich aber trotzdem weiterentwickelt …   Travel light   Einige Jahre nach dem Untergang der Zivili...
Catch Me! - Kinostart: 26.07.2018 Aus der Geschichte einer Gruppe von Freunden, die seit mehr als dreißig Jahren ...   ... eine lange Partie „Fangen“ spielen, hätte man verschiedene Filme machen können. Eine abgedrehte Farce. Eine Parabel über das Älterwerden. Eine Buddy-Komöd...
Bibi & Tina - Tohuwabohu Total Ist man erst mal dem richtigen Alter entwachsen – also kein Kind und noch dazu mangels Geschlecht nicht pferdeaffin –, dann gibt es zwei Arten, ...   ... einen Film wie „Bibi & Tina – Tohuwabohu total“ zu kommentieren. Im Hinblick auf die Zielgruppe oder ab...
Die Goldfische - Kinostart: 21.03.2019 Die Newcomerin Alireza Golafshan befasst sich in ihrem ersten Langfilm ...   ... mit einem Thema, das sie auch schon in ihrem während des Studiums an der HFF entstandenen Kurzfilm „Behinderte Ausländer“ beschäftigte: Das Leben mit Behinderung. Für &bdquo...

Weitere Informationen

  • Autor/in: Timea Sternkopf
  • Regisseur: Stuart Hazeldine
  • Drehbuch: John Fusco
  • Besetzung: Sam Worthington, Octavia Spencer
kzzs hp hnews
Wir freuen uns, euch das deutsche Hauptplakat zur 25. Bond-Mission KEINE ZEIT ZU STERBEN präsentieren zu können. Über 3,1 Mrd. Dollar haben die…
isbelieve mag header
Am 13. August startet mit I STILL BELIEVE die bewegende und wahre Liebesgeschichte des Musikers Jeremy Camp in den deutschen Kinos. An der Uni…
ij5 hnews
Das fünfte Abenteuer des berühmten Archäologen, genannt Indiana Jones, ist laut den Branchenblättern Variety und Hollywood Reporter erneut verschoben…
hnews corona
Geschlossene Kinosäle, abgebrochene Drehs und Stars in Quarantäne. In Hollywood sorgt das Coronavirus für Chaos und könnte weitreichende…
hnews be bond25
Die fünffache GRAMMY®-Gewinnerin Billie Eilish hat heute ihren neuesten Song „No Time To Die“, den offiziellen Titelsong des kommenden…
hnews oscars020
In der Nacht vom 09. auf den 10. Februar fand 2020 etwas früher als sonst die Verleihung der Oscars in Los Angeles statt. Der südkoreanischen Film…
hnews gg2020
Am 06. Januar 2020 fand in Los Angeles die 77. Verleihung der Golden Globes statt. Moderiert wurde die Veranstaltung bereits zum fünften Mal von…
hnews dpstart
Disney+, der mit Spannung erwartete Streaming-Service der Walt Disney Company, ist am 12. Novenber 2019 in den USA, in Kanada und den Niederlanden…
hnews gman wsmith
Am 25. September 2019 feierte Superstar Will Smith vor der grandiosen Kulisse des Budapester Burgpalasts nicht nur seinen 51. Geburtstag. Anlass für…
d23019 mag header
Am 24. und 25. August 2019 präsentierten die Walt Disney Studios bei der D23 Expo 2019 im kalifornischen Anaheim den nahezu 7000 Fans Star-gespickte…
hnews 007ds
Die James Bond Produzenten, Michael G. Wilson und Barbara Broccoli, haben heute den offiziellen Titel des 25. James Bond Abenteuers NO TIME TO DIE…
hnews marvel
Neuigkeiten aus dem Marvel Cinematic Universe: Der Siegeszug von AVENGERS: ENDGAME an den weltweiten Kinokassen ist bis heute nicht aufzuhalten. Am…
hbss hnews
Mit „Rocky“ und „Rambo“ avancierte er zur Actionlegende und auch vier Jahrzehnte nach seinem Durchbruch gehört er noch lange nicht zum alten Eisen:…
wss hnews
Das erste Filmfoto von Oscar®-Gewinner Steven Spielbergs WEST SIDE STORY wurde veröffentlicht. Die Adaption des Original Broadway Musicals WEST SIDE…
traffikant hnews
"Der Trafikant": Bruno Ganz' letzter Film feiert seine Los Angeles Premiere auf dem Jüdischen Filmfestival Es sollte seine letzte Rolle werden: Bruno…