Helene Hegemanns Roman „Axolotl Roadkill“ geriet nicht nur zur Sensation, sondern auch zum Skandal, ...
... als klar wurde, dass große Teile des Romans plagiiert sind. Hegemann versuchte sich damit herauszureden, dass es ähnlich wie bei Musik ist: Durch das Sampeln entstehe etwas ganz Neues. Mag sein, zeigt aber auch ein merkwürdiges Verständnis, was geistiges Eigentum angeht. Aber wie dem auch sei, Constantin ermöglichte es ihr, nach eigenem Drehbuch die Verfilmung „Axolotl Overkill“ selbst anzugehen. Herausgekommen ist das große Nichts.
Axolotl Boredom
Mifti (Jasna Fritzi Bauer) ist 16 Jahre alt, gibt sich aber, als wäre sie deutlich älter. Seit dem Tod ihrer Mutter lebt sie mit ihren Geschwistern in einer WG. Den Vater sieht sie nur selten, und wenn doch, dann ist es merkwürdig. Etwa dann, wenn er seine Theorien zum Besten gibt, dass Terrorismus durchaus ein zeitgemäßer Karriereweg ist.
Mifti vögelt rum, ist verliebt, geht auf Partys, feiert, nimmt Drogen, raucht, sauft, schmeißt die Schule und hat eigentlich keinen Plan, was aus ihrem Leben werden soll. Im Grunde geht es ihr damit aber noch besser als den Erwachsenen in ihrem Leben, denen die Verzweiflung geradezu ins Gesicht geschrieben steht.
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Wo ist die Geschichte?
Man merkt es schon an der Inhaltsangabe. Eine Geschichte im eigentlichen Sinn gibt es nicht. „Axolotl Overkill“ ist keine narrative Erzählung. Im Grunde handelt es sich um keinerlei Erzählung, eher hat man den Eindruck, Momentaufnahmen aus dem Leben Gescheiterter zu erhalten. Das Problem: Besonders interessant sind die nicht.
Das gilt für das erwachsene Umfeld der Hauptfigur, aber auch für Mifti selbst, deren Charakter schlicht und ergreifend überkonstruiert ist. Hegemann nennt das „auf unterkomplexe Art komplex“. Klingt gut, ist aber auch nur eine Worthülse.
Vermutlich sah sich Hegemann selbst in Mifti, als sie „Axolotl Roadkill“ ersann. Ob dem immer noch so ist, nun ein paar Jahre später, und – vermutlich – ein wenig reifer? Vielleicht nicht. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass sie den Bezug zur eigenen Figur verloren hat, weil das Leben von Mifti nun so gänzlich anders ist. Ein paar Jahre können viel ausmachen. Sich erwachsen fühlen und erwachsen sein sind zwei sehr unterschiedliche Dinge. Das möchte man auch der Hauptfigur entgegenschreien. Weil sie allem Gehabe zum Trotz eben doch nur ein Teenager ist, der nicht weiß, was er machen soll, aber glaubt, alles im Griff zu haben.
Schön gefilmt
Auf dem Sundance Filmfestival erhielt „Axolotl Overkill“ einen Preis für die Kameraarbeit von Manuel Dacosse. Sie ist auch einer der Aktivposten des Films, da er es wiederum versteht, das fahrige Geschehen in brillanten Bildern einzufangen, die geschmackvoll, aber auch irrlichternd und wild sind.
Gut ist auch Jasna Fritzi Bauer, die gut zehn Jahre älter ist als Mifti, aber immer noch als Teenager durchgeht, auch wenn sie solche Rollen nicht mehr spielen wollte. Mifti reizte sie jedoch, weil es hier nicht die üblichen Klischees gibt. Meint sie, aber frühreife, rebellische Nach-mir-die-Sintflut-Teenager gab es im Kino nun wahrlich schon genug. So anders ist da auch die zweigleisig fahrende Mifti nicht, die sich in eine ältere Frau verliebt.
Fazit
„Axolotl Overkill“ ist eigentlich die Antithese dessen, was ein Film sein soll. Er ist nicht narrativ, er erzählt nichts, er mäandert, er kommt nicht auf den Punkt. Mehr noch, er hat nicht mal einen Punkt. Es existiert einfach. Weil der Roman erfolgreich war und man hofft, darauf aufbauend auch im Kino erfolgreich zu sein.
Das mag auch hinhauen, immerhin ist er in der Hauptrolle gut besetzt, aber alle anderen Figuren – so gut gespielt sie auch sein mögen – bleiben ungreifbar und wirken wie Karikaturen. Sie sind auf Schock gebügelt, aber sie haben keinen real anmutenden Knochen im Leib. Das ist dann auch das größte Problem des Films: Dass sich die Hauptfigur in einer Welt bewegt, die an den Haaren herbeigezogen erscheint.
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