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The Secret: Das Geheimnis - Kinostart: 06.08.2020

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Wer schon immer wissen wollte, was passiert, wenn ein ...
 
... amerikanischer Selbsthilfe-Besteller mit einem Liebesroman im Nicholas-Sparks-Stil gekreuzt wird, kann das demnächst im Kino herausfinden …
 
Was immer wir uns vorstellen, können wir erreichen
 
Miranda (Katie Holmes) ist Witwe. Sie hat drei typische Filmkinder. Die Teenager-Tochter ist zickig und genervt, aber am Ende doch ein gutes Kind. Der Sohn ist ein kluger Kopf und Erfinder, ganz wie sein verstorbener Vater (hier bitte seufzen). Und das kleine Mädchen ist so herzallerliebst, das es nervt. Mirandas Schwiegermutter mischt sich dauernd in ihr Leben ein, hat aber doch das Herz am rechten Fleck. Miranda hat einen dieser Jobs, den alleinerziehende Mütter nur in Filmen bekommen. Sie ist Managerin eines Restaurants. Das bedeutet, sie muss während des Films zweimal einen Korb von da nach dort tragen, hat aber sonst jede Menge Tagesfreizeit. Dafür muss sie abends nicht arbeiten, weil es in Restaurants am Abend praktisch nichts zu tun gibt.
 
Eines Tages tritt der stets hilfsbereite Bray (Josh Lucas) in ihr Leben. Wie hilfsbereit ist Bray? Naja, nachdem Miranda aus Unachtsamkeit seinen Pick-up anfährt, folgt er ihr nach Hause und repariert dort ihr Auto. Nachdem ein Sturm das Dach von Mirandas Haus beschädigt repariert er auch das Dach. Aber da ist etwas, das Bray Miranda unbedingt sagen muss …
 
„The Secret“ war zuerst eine Art Dokumentarfilm von Rhonda Byrne, in dem halbgarer Unsinn als Wissenschaft und Allgemeinplätze als Weisheiten verkauft wurden. Der Film war so erfolgreich, dass Byrne 2007 ein Selbsthilfebuch gleichen Titels herausgebracht hat. Dieses Buch wurde weltweit 34 Millionen Mal verkauft. Und nun haben die Autoren Bekah Brunstetter („This is Us“), Rick Parks („Auf immer und ewig“) und Andy Tennant („Ein Schatz zum Verlieben“) auf dieser Grundlage ein Drehbuch dazu geschrieben.
 
Aber haben sie tatsächlich ein Drehbuch geschrieben? Wenn man sich „The Secret – Das Geheimnis“ ansieht, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, sie haben bloß Byrnes Selbsthilfebuch mit einem Roman von Nicholas Sparks gekreuzt. Und dieser Kreuzungsprozess ist sicher nicht glatt abgelaufen und war sicher nicht schön. Vor allem nicht für den Nicholas-Sparks-Roman. Das ekelhafte Selbsthilfebuch hat den armen Sparks-Roman sicher gegen seinen Willen genommen. Da war keinerlei Zärtlichkeit im Spiel. Das Sparks-Buch hat sich noch gewehrt, aber es hat alles nichts geholfen. Die ungeliebte Brut dieser unheiligen Vereinigung wurde anschließend nicht sanft entbunden, sondern von Regisseur Andy Tennant mit der Zange dem Mutterleib entrissen.
 
Du bist das Meisterstück
 
Deines Lebens Und so stimmt praktisch nichts an „The Secret“. Nicht mal die ältesten Filmklischees funktionieren richtig. Wir alle kennen diese Standardsituation in Filmen: Mann verpasst zu Anfang den richtigen Zeitpunkt, Frau etwas über sich, über sie oder über sie beide mitzuteilen. Frau erfährt die furchtbare Wahrheit zum falschen Zeitpunkt aus der falschen Quelle und schwupps haben wir die Krise im zweiten Akt. Nur in diesem Film beginnt Mann tatsächlich mehrmals zur richtigen Zeit, alles zu erklären aber Frau hat einfach kein Interesse. Wenn ich jemanden erst wenige Stunden kenne und diese Person meint: „Ich wollte ihnen schon früher etwas sagen, aber der Zeitpunkt war verkehrt …“ kommt mir dieser Mensch nicht mehr aus, bis er alles genau erklärt hat. Der weiblichen Hauptfigur dieses Films ist es aber gleich zweimal egal, was der hilfsbereite Fremde wohl loswerden möchte.
 
 
Dafür hören sich Miranda und ihre Familie jede noch so lächerliche Weisheit des Fremden an. Der im Zorn gezeugte Spross eines Selbsthilfebuchs und eines Liebesromans muss mit vielen Geburtsfehlern durchs Leben gehen. Einer davon bedingt, dass die Figur des Bray während des ganzen Films sämtliche Sinnsprüche aus dem Buch „The Secret“ laut aussprechen muss. Und der arme Josh Lucas tut dabei so, als würden echte Menschen im realen Leben tatsächlich solchen Unsinn sagen, wie „Die Dinge können sich ändern, wenn Du das möchtest.“ oder „Alles ist möglich, wenn sie es nur wirklich wollen.“
 
Die klebrig-süße Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen ohne jede erkennbare Persönlichkeit wäre für sich schon schlimm. Die formelhafte Familiengeschichte macht das Ganze nur schlimmer. Aber erst der Overkill an Pseudo-Weisheiten, deren Banalität einem die Zähne stumpf werden lässt, macht diesen Film zu einer echten Belastung für jeden denkenden Menschen. Ich habe jetzt noch Kopfschmerzen.
 
Du bekommst genau das, was Du fühlst Katie Holmes („Batman Begins“) versucht seit mehr als zwanzig Jahren in jedem ihrer Filme, ihren rechten Mundwinkel bis hinter ihr rechtes Ohr zu ziehen. Das ist entweder ein nervöser Tick oder Frau Holmes meint, so würde man schauspielern. In jedem Fall gehört das dringend behandelt. Die furchtbar geschriebene Rolle der Miranda hätte wohl auch kaum eine andere Darstellerin sympathisch gestalten können.
 
Josh Lucas („Sweet Home Alabama”) sehen wir gerade mal ein Jahr nach “Breakthrough – Zurück ins Leben” (ausführliche Rezension hier auf cinepreview.de) wieder in einem Film den Leute mit sehr wenig Ahnung vom Leben wohl „spirituell“ nennen mögen. Falls Lucas hier eine Nische für sich gefunden hat, gehört sie ihm sicher ganz allein. Lucas ist ein mittelmäßiger Darsteller ohne jede Ausstrahlung und passt in dieser Hinsicht ganz wunderbar zu seiner Filmpartnerin.
 
Jerry O’Connell ist sicher nicht der größte Darsteller seiner Zeit. Aber in Filmen wie „Stand by me“ und “Kangaroo Jack” hat er durchaus Wirkung gezeigt. Seine Rolle als Mirandas Freund und Arbeitgeber in diesem Film ist so furchtbar geschrieben, selbst für weniger begabte Schauspieler wäre dieser Part eine Erniedrigung. Ich vermute, O’Connell hat nach jedem Drehtag mehrere Stunden weinend unter der Dusche verbracht und sich anschließend immer noch schmutzig gefühlt.
 
 
Fazit
 
In der Buchvorlage des Films heißt es „Wir arbeiten alle mit derselben unendlichen Kraft/Energie“. Mag sein. Aber echte Filmemacher erschaffen damit echte Filme. „The Secret“ ist bloß eine ungesunde Kreuzung aus Selbsthilfebuch und Schnulze.
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: Andy Tennant
  • Drehbuch: Bekah Brunstetter
  • Besetzung: Katie Holmes, Josh Lucas
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