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Atomic Blonde

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Glaubt man alles was uns Filme vorgaukeln, dann ist das Berlin der 80er Jahre ...
 
... eine große bunte Spielwiese für russische, britische, amerikanische und französische Geheimagenten. Mitten auf dieser Spielwiese kämpft sich Amazone Charlize Theron als MI6-Agentin Lorraine Broughton ihren Weg frei. „Normale“ Menschen gibt es kaum in der Welt von „Atomic Blonde“, aber das macht nichts. Es handelt sich schließlich um die Adaptation eines Comics von Antony Johnston und nicht um die neueste Doku über Berlin zu Zeiten des kalten Krieges.
 
Theron hat sich ihre Rolle als kaltblütige, brillante Geheimagentin wirklich verdient seit sie in „Mad Max: Fury Road“ Tom Hardy fast die Show stahl. Es ist immer wieder erfreulich wenn eine weibliche Schauspielerin jenseits der 40 in Hollywood für Action-Rollen in der Hauptrolle gecastet wird. So wie eben Theron in “Atomic Blonde”, die mit dieser Rolle nun endgültig zum Action-Star mutierte.
 
Die Handlung spielt zeitlich kurz vor dem Mauerfall in Berlin, es sind aufregende Zeiten. In diese Welt des Umbruchs wird MI6-Agentin Lorraine Broughton aus London entsandt. Ein britischer Agentenkollege wurde ermordet und eine brisante Liste gestohlen. Lorraines Auftrag heißt dieses Chaos aufzuräumen, den Schuldigen zu finden und vor allem dafür zu sorgen, dass die Liste mit den Identitäten der ausländischen Agenten wieder in Besitz des MI6 gelangt. Lorraine ist eine Art weiblicher James Bond als Debby Harry verkleidet. Charlize Theron verleiht ihrer Rolle einen Überschuss an Sexappeal und man fragt sich (natürlich unnötigerweise) wie im wahren Leben eine solch auffällige Superfrau verdeckt als Geheimagentin agieren kann.
 
 
Diese und weitere dramaturgische Ungereimtheiten verzeiht man allerdings gerne, wenn man dafür knapp zwei Stunden lang attraktiven Frauen und Männern bei Intrigenspielchen, knallharten Zweikämpfen und Sex zuschauen darf. Sex und sexuell geladene Szenen gibt es genug in „Atomic Blonde“. Dafür sorgt neben Charlize Theron die algerische Schauspielerin Sofia Boutella, die als französische Spionin Delphine im Bett von Lorraine landet. Zuletzt sah man Boutella neben Tom Cruise als Untote in Bandagen in „Die Mumie“, wo sie hauptsächlich die Aufgabe hatte selbst im Verwesungszustand erotisch zu wirken. In „Atomic Blonde“ braucht Boutella ebenfalls nicht viel mehr zu tun, als nicht mit ihren Reizen zu geizen - und das gelingt ihr mit Bravour.
 
McAvoy und Theron im Zuhälter- und Edelnutten-Look
 
Den männlichen Part übernimmt James McAvoy als Lorraines Kollege David Percival, der als waschechter Berlin-Experte fungiert und Lorraine zwischen Ost- und West-Berlin hin- und herschleust, als wäre es ein Club mit strengen Türstehern.
 
Maske und Kostüm verpassten McAvoy einen verwegenen Look mit Bart, Sonnenbrille und Fellmantel. Die Grenze zwischen geschmackvoller Coolness und Zuhälter- bzw. Edelnutten-Look bei den beiden Hauptdarstellern sind sehr fein in “Atomic Blonde”.
 
„John Wick“-Co-Regisseur David Leitch, steht offensichtlich auf die Neon-Ästhetik der 80er. Er untermalte seinen Action-Thriller fast durchgehend mit einem Pop-Rock-Soundtrack mit den coolsten Hits der 80er Jahre. Wenn New Order, Depeche Mode, Falco oder David Bowie zu perfekt choreografierten Action-Szenen mit einer durchgestylten Protagonistin, die an ein Supermodel der Ära erinnert, ertönen, fühlt man sich in ein verlängertes Musikvideo katapultiert.
 
 
Stellenweise geriet der Film unnötig brutal. Als zu Nenas „99 Luftballons“ der Kopfs eines Jugendlichen mit einem Skateboard zu Matsch zerhauen wird, bleibt dem Zuschauer ebenfalls der Atem weg. Vor allem Charlize Therons mit Prellungen übersähter, geschundener Körper nach einer heftigen Kampfszene schmerzt schon beim Zusehen. Trotz Stunts und Maske, musste die Hollywood-Beauty bei den Dreharbeiten einiges aushalten, da kann man sich sicher sein. Jedesmal wenn sie sich ein Bad voller Eiswürfel gönnt, kühlen sich unsere aufgeheizten Nerven für einen Moment mit ab.
 
Charlize Theron ist eine schöne Eiskönigin. Doch ihre Figur ist soweit unterkühlt, dass ihr jegliche Art von Sanftheit und Emotionalität fehlt - selbst in Szenen mit ihrer Geliebten Delphine, die das durchaus erfordert hätten. Wahre Gefühle sucht man vergeblich in “Atomic Blonde”.
 
 
Fazit
 
Mit „Atomic Blonde“ gelang David Leitch ein temporeicher Action-Thriller im durchgestylten 80er Look mit einer kampferprobten Charlize Theron.
 
Es ist unmöglich seinen Blick von der Amazone Theron abzuwenden, die stellenweise an ein Supermodel aus einem 80er-Jahre-Musikvideo erinnert. Einziger Haken ist die fehlende Emotionalität der Figuren, die es in manchen Szenen gebraucht hätte. Coolness gewinnt über Tiefgang, doch man kann es verschmerzen.
 
 
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Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Timea Sternkopf
  • Regisseur: David Leitch
  • Drehbuch: Kurt Johnstad
  • Stars: Charlize Theron, Beth Kono
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