deensvtr

Hell or High Water

Artikel bewerten
(3 Stimmen)
Die Stärke von „Hell or High Water“ ist nicht die Atmosphäre, die zweifelsohne vorhanden ist.
 
Es sind die starken Charakterisierungen, die hier in den Bann ziehen. Denn die sind derart, dass eine leichte Einordnung nicht möglich ist. Es gibt nicht die Guten auf der einen und die Bösen auf der anderen Seite. Wie im echten Leben ist alles sehr viel differenzierter.
 
Gauner vs. Texas Rangers Toby (Chris Pine) und Tanner (Ben Foster) sind zwei Brüder, die in kurzer Abfolge zwei Filialen einer Bank überfallen. Der eine ist ein geschiedener Vater, der andere kommt gerade nach sieben Jahren aus dem Gefängnis. Nun folgen sie einem einfachen, aber klar definierten Plan. Sie brauchen das Geld der Banken, um damit die Familien-Ranch retten zu können. Denn dort gibt es ein Öl-Vorkommen, das die Zukunft der Familie für alle Zeiten sichern wird. Doch das nötige Kleingeld fehlt.
 
Nach dem zweiten Überfall werden die Texas Rangers dazu gerufen. Markus (Jeff Bridges) steht kurz vor der Pensionierung. Drei Wochen bleiben ihm noch. Aber die möchte er nutzen, um einen letzten Fall zu klären. Und so heftet er sich zusammen mit seinem Partner an die Fersen der Brüder.
 
Wie ein Western
 
Dass der ehemalige Schauspieler Taylor Sheridan ein Faible für im Süden der USA spielende Geschichten hat, die von ambivalenten Figuren bevölkert sind, zeigte er schon mit dem grandiosen „Sicario“. Hier hat er nun eine Geschichte ersonnen, die klassisches Gefühl besitzt, aber im Konflikt der Gangster gegen die Texas Rangers mehr als nur ein paar knackige Actionszenen zu bieten hat.
 
 
Denn wie schon bei „Sicario“ konzentriert sich Sheridan auch bei „Hell or High Water“ darauf, vielschichtige Figuren zu gestalten. Auf der einen Seite sind die Brüder, die alles andere als Waisenknaben sind, aber ein Ziel vor Augen haben, das durchaus gut ist. Aber beide sind auch knallharte Verbrecher, denen schnell mal die Hutkrempe hochgeht. Auf der anderen Seite hat man den alt gewordenen Texas Ranger, der nicht mehr ganz auf der Höhe ist, aber noch einmal reüssieren will. Das macht ihn per se zur Heldenfigur in diesem Stück, allerdings ist es schwer, sich mit Bridges‘ Figur zu identifizieren, da er auch ein Rassist ist, wie sein Partner immer wieder feststellen muss.
 
Das ist die eigentliche Stärke des Films. Er schafft es, die Sympathie des Zuschauers auf die Figuren zu lenken, die man eigentlich verabscheuen sollte – und umgekehrt.
 
Perfekter Cocktail
 
Der schottische Regisseur David Mackenzie hat „Hell or High Water“ wie einen Neo-Western inszeniert. Der Reiz ist dabei, den Mechanismen des Genres zu folgen, aber die Geschichte in der Moderne anzusiedeln. Er verlässt sich dabei nicht nur auf sein hervorragendes Ensemble, sondern nutzt auch die wunderschönen Landschaften von New Mexico, die hier für Texas herhalten müssen.
 
Dabei hat er nicht nur eine Art Western erschaffen, sondern auch eine Charakterstudie, die sich mit den Gaunern, aber auch den Gesetzesvertretern befasst und tief in deren Psyche vordringt. Das gibt sowohl Chris Pine als auch Ben Foster richtig gutes Material, über allem steht aber erneut Jeff Bridges, der im Original auch einen knackigen Akzent auffährt.
 
Abgeschmeckt wird das Ganze nicht nur durch die packende Kameraarbeit, sondern auch mit dem sehr passenden Score von Nick Cave und Warren Ellis. Heraus kommt ein staubiger, dreckiger, aber mitreißender Action-Thriller, der ein großes Publikum verdient hat.
 
 
Fazit
 
„Hell or High Water“ ist ein packender Neo-Western, der nicht nur mit dramatischen Actionszenen aufwarten kann, sondern vielmehr durch die exakt gezeichneten Hauptfiguren zu begeistern weiß. Denn hier ist nichts einfach nur schwarz oder weiß, alles existiert nur in Schattierungen von Grau. Darum empfindet man auch Sympathie für die Figuren, die man eigentlich nicht mögen sollte.
 
Großartig ist darüber hinaus eine Szene, die zeigt, wie schwerbewaffnet die Zivilbevölkerung von Texas eigentlich ist …
 
 
Unterstütze CinePreview.DE:
                                                                                                                                        
 
 

Ähnliche Kritiken

Rock my Heart Im Grunde muss man schon dankbar sein, dass mit „Rock My Heart“ ein Film ...   ... vorgelegt wird, der nicht auf einem erfolgreichen Mädchenroman oder dergleichen basiert. Eine typische Ingredienz gibt es aber dennoch: Den obligatorischen, überschuldeten Hof, der nur m...
Sleepless Eigentlich sollte der Film schon 2014 kommen, doch Verzögerungen sorgten dafür, dass es noch mal drei Jahre länger dauerte.   Das hat für den deutschen Zuschauer den Vorteil, dass das französische Original „Sleepless Night“ mit „Largo Winch“...
The Book of Henry "The Book of Henry" ist ein höchst poetischer Film über das Leben eines hochbegabten ...   ... Elfjährigen, dessen eigentliche Stärke in dem unbedingten Willen liegt, Gutes zu tun. Selbst der eigene Tod kann ihn nicht stoppen.   Von Kindern für Erwachsene &n...
King Arthur Die Geschichte von König Arthur und der Tafelrunde ist schon häufig erzählt worden.   Entsprechend gut ist es, dass Guy Ritchie bei seinem Film einiges an Variation einbringt. Er erzählt im Grunde die Ursprungsgeschichte von Arthur, gerade so, als wäre er ein Superh...

Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Peter Osteried
  • Regisseur: David Mackenzie
  • Drehbuch: Taylor Sheridan
  • Stars: Chris Pine, Ben Foster
hnews jgblum
„Wenn man älter wird, geht ein Sommer nur so vorbei – bomb-ding, bomb-dang. Und dann ist es plötzlich September – bam-dat sca-dat – wissen Sie, was…
hnews hsolo rh
Ron Howard ist der Regisseur des immer noch titellosen “Star Wars”-Ablegers zu Han Solo. Dank Howard und dessen Twitter-Konto wissen wir, dass die…
hnews br 1
Am 27. Dezember 2018 kehrt eine der größten Musik-Ikonen aller Zeiten auf die große Leinwand zurück! In BOHEMIAN RHAPSODY verkörpert Rami Malek („Mr.…
hnews jfranco1
Elysium Bandini Studios ist in Hollywood einzigartig. Das Filmstudio produziert nämlich nicht für den größtmöglichen Gewinn, sondern für den guten…
hnews bond craig
Endlich gibt es Klarheit: Daniel Craig, der seit “Casino Royale” 2006 den smarten Agenten im Auftrag seiner Majestät mimt, wird noch einmal zu “007”!…
hnews 007 re
Fans von James Bond sollten sich den 8. November 2019 rot im Kalender markieren. Dann kommt der 25. Bond-Film ins Kino, wie “The Hollywood Reporter”…
laff srm header2
“Jetzt haben wir es geschafft, sind aber auch fast pleite”, lacht Gabriele Hayes, als FantasticMovies sie zur Premiere ihrer Dokumentation “Skid Row…
laff header1
Kurioserweise findet das Film Festival von Los Angeles nicht in Hollywood, sondern im ziemlich verschlafenen Stadtteil Culver City im Südwesten der…
hnews mioe
Regisseur Kenneth Branagh ist es gelungen, zur Neuverfilmung des Klassikers "Mord im Orient Express", nach dem gleichnamigen Bestseller von Agatha…
hnews duniverse
Das „Dark Universe“ wird uns das Fürchten lehren! Zum Kinostart von DIE MUMIE hat Universal Studios das geplante Filmuniversum rund um die legendären…
hnews mmia2a
"Mamma mia, here we go again" - unser liebster Musical-Film kommt zurück! Universal Pictures bringt nächsten Sommer die Fortsetzung zu "Mamma Mia" in…
hnews pmc1
Paul McCartney ist bereit, in See zu stechen! Der Sänger teilte auf seinem Twitter-Profil das erste offizielle Foto in Piraten-Kostüm. Mit langem…
hnews mtv017
Am Sonntag (7. Mai) fanden in Los Angeles die MTV Movie & TV Awards statt. Trotz der Regen-und Hagelschauer holten sich viele Stars ihre Preise…
hnews jffla
“Morris Blaibtroi”, so ganz einfach kommt den Amerikanern der Name des deutschen Schauspielers noch nicht über die Lippen. Bleibtreus Film “Es war…
hnews rdogs
Quentin Tarantinos erster Kinofilm “Reservoir Dogs” feiert seinen 25. Geburtstag. Zu diesem Anlass kamen der Regisseur und seine Hauptdarsteller beim…