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Arrival

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Science Fiction für den Kopf, das ist es, was Denis Villeneuve mit seinem „Arrival“ bietet. Er begibt sich dabei auf ein erzählerisches Feld, das in der literarischen Tradition von Carl Sagan steht.
 
Hier geht es nicht um den Kampf gegen außerirdische Invasoren, sondern darum, exakt zu zeigen, wie ein Erstkontakt wahrscheinlich ablaufen würde.
 
Keine universelle Sprache
 
An zwölf Punkten auf der Erde tauchen riesige, außerirdische Raumschiffe auf. Das US-Militär rekrutiert die Linguistin Louise Banks (Amy Adams), die zusammen mit dem Mathematiker Ian Donnelly (Jeremy Renner) und einigen anderen das Schiff betritt. Dort warten die außerirdischen Besucher, auf dass die Menschen den Dialog eröffnen. Doch eine gemeinsame Kommunikationsebene zu finden, ist nicht nur schwierig, sondern auch ein langwieriges Unterfangen. Für Louise beginnt ein Rennen gegen die Zeit, da mit jedem verstreichenden Tag die Gefahr steigt, dass eine Erden-Nation den Außerirdischen den Krieg erklären könnte.
 
Man möchte eigentlich Freudensprünge machen, dass es das tatsächlich noch gibt: Intelligente Science Fiction, die aufwendig gestaltet ist, aber sich nicht auf den kleinsten gemeinsamen Nenner herabbrechen lässt. Stattdessen gibt es eine durchaus komplexe Erzählstruktur, die noch dadurch gewinnt, dass das Skript die Sapir-Whorf-Hypothese, nach der eine Sprache auch das Denken beeinflusst, zu einem wichtigen Baustein der Geschichte macht. Hier wird aufgegriffen, womit sich Ted Chiang, der Autor der mit dem Nebula-Award ausgezeichneten Novelle „Story of Your Life“, ausgiebig beschäftigt hat. Er hat einen Weg gefunden, seine Geschichte so zu erzählen, dass Linguistik, aber auch Philosophie zu einem essenziellen Bestandteil werden.
 
Erstkontakt
 
Die Frage, wie ein Erstkontakt mit außerirdischer Intelligenz wäre, wird hier dezidiert durchgespielt. Das funktioniert anders, als man das gemeinhin erwartet, da es keine Universalübersetzer gibt. Stattdessen sind die Unterschiede so groß, dass der Weg zu einer gemeinsamen Kommunikation mühsam ist.
 
Villeneuve untersucht dabei auch, wie die Erkenntnis, dass der Mensch nicht allein im All ist, auf die Gesellschaft wirkt. In „Arrival“ wird sowohl auf die Schwierigkeit eingegangen, welche Ängste mit einer solchen Enthüllung einhergehen würden, als auch darauf, dass die Menschheit nicht an einem Strang zieht. Es geht um die Einheit, um den Moment, da die kleinlichen Differenzen enden. Doch gerade da zeigt sich „Arrival“ wenig hoffnungsvoll, da er detailliert zeigt, wie gegenseitiges Misstrauen zu einer Entzweiung statt einer Einigung führen.
 
Das ist ein Element der Geschichte, aber längst nicht alles. „Arrival“ schafft es zu zeigen, wie schwierig ein Erstkontakt eigentlich wäre, weil das fundamentale Verständnis dessen, wie das Universum funktioniert, ein gänzlich unterschiedliches wäre. Auf gut Deutsch gesagt: Der Mensch wäre dem geistig nicht gewachsen, weil damit Konzepte einhergehen, die die Vorstellungskraft sprengen.
 
Menschliche Geschichte
 
Die beste Science Fiction ist immer auch die, die nicht nur gesellschaftliche Fragen untersucht, sondern sich auch auf das menschliche Drama herunterbrechen lässt. Hier ist es das der von Amy Adams brillant gespielten Louise, deren Leben als Mutter man in kurzen Vignetten immer wieder zu sehen bekommt. Das erlaubt nicht nur eine stärkere Identifikation mit der Frau, sondern geht auch mit einer tragischen Note einher.
 
Faszinierend ist zudem der Gedanke, dass eine Frau den Erstkontakt leiten sollte – im Gegensatz zu einem Mann. Das zeigt sich hier sehr gut, wenn das Verhalten der Militärs fast schon schrill wird, weil man nach einem Koordinatensystem funktioniert, das nicht zwangsläufig das einer extraterrestrischen Spezies sein muss.
 
„Arrival“ ist ein packender, die Gedanken anregender Film, der von einer faszinierenden Struktur getragen wird, deren ganze Bandbreite erst relativ spät in der Geschichte klar wird. Darüber hinaus werden die kalten, entsättigten Bilder von einem grandiosen Score getragen, bei dem Johan Johansson nicht nur Walgesänge einsetzt, sondern auch Max Richters „On the Nature of Daylight“ eindrucksvoll den Rahmen für die Geschichte bildet.
 
Fazit
 
Kein Film für Fans von „Independence Day“, sondern eher in der Tradition von „Contact“. Dabei bewegt sich „Arrival“ stilsicher auf eigenem Terrain und bietet eine große Science-Fiction-Geschichte, die Herz und Verstand anregt. Ganz großes Kino von Denis Villeneuve, nach dem man noch gespannter auf seinen „Blade Runner 2“ ist!
 
 
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Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Peter Osteried
  • Regisseur: Denis Villeneuve
  • Drehbuch: Eric Heisserer
  • Stars: Amy Adams, Jeremy Renner
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